Digitale Helfer auf meine Reisen – Barrierefreie Apps entdecken

Barrierefreiheit beginnt oft im Smartphone

Barrierefreiheit beginnt oft im Smartphone

Wer wie ich mit Rollator und E-Fix-Rollstuhl unterwegs ist, weiß: Die beste Reiseplanung nützt nichts, wenn man vor Ort dann doch vor einer Treppe steht oder verzweifelt nach einer geeigneten Toilette sucht. Genau deshalb habe ich mir über die Jahre einen kleinen digitalen Werkzeugkasten zusammengestellt – sieben Apps, die ich mittlerweile ganz selbstverständlich nutze, bevor und während ich unterwegs bin. Manche kennt ihr vielleicht schon, andere sind echte Geheimtipps. Heute nehme ich euch mit durch meinen App-Ordner „Barrierefreiheit“ und erzähle euch ehrlich, was mir wirklich hilft – und wo ich mir noch mehr wünschen würde.

Wheelmap – die Klassikerin unter den Karten-Apps

Wheelmap war für mich der Einstieg in die Welt der barrierefreien Apps, und ich nutze sie bis heute regelmäßig. Das Prinzip ist herrlich simpel: Auf einer Weltkarte werden Orte nach dem Ampelsystem bewertet – Grün für komplett rollstuhlgerecht, Gelb für eingeschränkt, Rot für nicht barrierefrei. Cafés, Restaurants, Museen, Schwimmbäder, mittlerweile Millionen von Orten weltweit. Das Schöne daran: Es ist eine Community-App. Jede und jeder kann Orte eintragen und bewerten, ich mache das inzwischen auch immer wieder selbst, wenn ich unterwegs einen neuen Ort entdecke. Ein bisschen wie digitale Nachbarschaftshilfe für uns Rollifahrer:innen.

Nette Toilette – wenn’s mal schnell gehen muss

Diese App begleitet mich schon lange und ich habe auch schon öfter darüber geschrieben. Die „Nette Toilette“ zeigt Geschäfte, Cafés und öffentliche Einrichtungen, die ihre Toilette kostenlos zur Mitbenutzung freigeben – ganz ohne Konsumzwang. Für mich als Rollstuhlfahrerin ist das Gold wert, wenn ich unterwegs plötzlich merke: Jetzt, aber sofort! Nicht jede teilnehmende Toilette ist barrierefrei, das muss man leider dazusagen, aber die App filtert praktischerweise danach.

abilityX – die Neue mit Community-Power

abilityX war mir bis vor Kurzem noch kein Begriff, aber ich habe mich reingelesen und bin ziemlich angetan. Der Fokus liegt klar auf barrierefreien Toiletten, mit Filtermöglichkeiten wie Euroschlüssel-Zugang oder Eignung für Elektrorollstühle – Letzteres ist für mich mit meinem E-Fix besonders wichtig, denn nicht jede Behindertentoilette bietet genug Platz zum Rangieren. Was mir besonders gefällt: Community-Meldungen werden redaktionell geprüft, bevor sie live gehen. Das schafft Vertrauen, denn bei diesem Thema will ich mich auf die Angaben wirklich verlassen können.

easyklo.eu – der Alleskönner für den Euroschlüssel

Wenn es um den Euroschlüssel geht, führt an easyklo kaum ein Weg vorbei. Die App zeigt sowohl öffentliche als auch behindertengerechte Toiletten in Deutschland, Österreich und der Schweiz an – inklusive aller Standorte, die sich mit dem Euro-WC-Schlüssel öffnen lassen. Ich schätze besonders die Suchfunktion, mit der ich schon vor einem Ausflug checken kann, was mich vor Ort erwartet, statt erst in der Not zu suchen. Und als jemand mit Merkzeichen B weiß ich: Diese Art von Vorausplanung nimmt eine Menge Stress raus.

Eurokey.ch – die Schweizer Spezialistin

Auch wenn der Name ähnlich klingt wie easyklo, ist Eurokey.ch eine eigenständige App, betrieben von Pro Infirmis, der größten Schweizer Fachorganisation für Menschen mit Behinderung. Sie zeigt schweizweit Standorte mit Eurokey-Schließsystem an – nicht nur Toiletten, sondern auch Lifte, Hebebühnen und barrierefreie Umkleideräume. Für alle, die wie ich gerne auch mal in die Schweiz reisen, eine echte Ergänzung zu den deutschen Apps, weil sie einfach genauer auf die dortigen Gegebenheiten eingeht.

Access Earth – mein Blick über den Tellerrand

Access Earth ist mein Favorit, wenn es auf große Reisen außerhalb der DACH-Region geht. Die irische App versteht sich als eine Art barrierefreies Google Maps: Man gibt Ort, Kategorie (zum Beispiel Restaurant) und ein Kriterium wie „rollstuhlgerechtes WC“ ein und bekommt passende Treffer auf einer interaktiven Karte angezeigt. Ich mag den Gedanken dahinter total – dass Barrierefreiheit von Betroffenen selbst bewertet wird und nicht von Betreibern, die die eigentlichen Bedürfnisse oft gar nicht kennen. Ehrlich gesagt ist die Datendichte je nach Land noch ausbaufähig, aber gerade deshalb trage ich selbst gerne Orte ein, die ich besucht habe.

HandicapX – von Betroffenen für Betroffene (Disability)

Das blaue App-Symbol mit dem weißen Rollstuhl-Piktogramm dürfte einigen von euch bekannt vorkommen: HandicapX. Auch diese App dreht sich in erster Linie um barrierefreie Toiletten weltweit, inzwischen sind über 25.000 Standorte verzeichnet, Tendenz täglich steigend. Was mich besonders überzeugt: Die App wurde von Betroffenen für Betroffene entwickelt, ganz ohne Registrierungszwang, und zeigt zusätzlich an, ob ein Euroschlüssel nötig ist, ob es eine Notrufmöglichkeit gibt, automatische Türen vorhanden sind oder ob genug Platz für einen E-Rollstuhl bleibt. Genau diese Detailtiefe fehlt mir bei manch anderer App, deshalb hat HandicapX bei mir einen festen Platz im Ordner.

Mein Fazit: Kein Ersatz, aber eine riesige Erleichterung

Keine dieser Apps ist perfekt, und keine ersetzt die eigene Erfahrung vor Ort – das erlebe ich ja auch hier auf dem Blog immer wieder. Aber zusammen bilden sie ein Netz, das mir hilft, meine Reisen entspannter zu planen und weniger böse Überraschungen zu erleben. Mein Tipp: Probiert nicht alle sieben auf einmal aus, sondern startet mit ein, zwei Apps, die zu eurem Reisestil passen, und ergänzt nach und nach. Welche App nutzt ihr schon? Verratet es mir gerne in den Kommentaren!

Kitzingen – zwischen Fachwerkromantik und verblasstem Glanz

Ein ehrlicher Blick auf die Altstadt am Main

Kitzingen liegt malerisch am Main, mitten im fränkischen Weinland und an der Romantischen Straße – klingt nach einem perfekten Ausflugsziel, oder? Ich war neugierig und habe mir die Altstadt dieser alten Weinhandelsstadt einmal genauer angeschaut. Mein Fazit vorab: Es lohnt sich, aber mit gemischten Gefühlen.

Ein Stück Geschichte zum Auftakt

Kitzingen ist eine der ältesten Städte Unterfrankens – die Ansiedlung entstand bereits im Jahr 745 mit der Gründung eines Frauenklosters. Reichtum und Einfluss verdankte die Stadt über Jahrhunderte dem Weinbau; das älteste deutsche Weingesetz wurde sogar 1482 hier in Kitzingen erlassen. Diese Geschichte sieht man der Altstadt bis heute an – in den prachtvollen Fachwerkhäusern, die von vergangenem Wohlstand erzählen.

Parken und barrierefreie Infrastruktur

Für meinen Besuch habe ich auf einem Behindertenparkplatz in der Schrannenstraße geparkt, ganz in der Nähe des Bürgerzentrums. Praktisch: Kitzingen hat auf seiner städtischen Homepage eine Karte mit Behindertenparkplätzen hinterlegt – das erleichtert die Planung enorm. Auch zu barrierefreien Toiletten findet man dort Standortangaben; benötigt wird in der Regel der Euroschlüssel. Ein Pluspunkt für alle, die wie ich mit Rollstuhl unterwegs sind.

Was ich allerdings erwähnen muss: Die Altstadt selbst ist überwiegend mit Kopfsteinpflaster gepflastert. Wer mit Rollstuhl oder Rollator unterwegs ist, sollte sich auf eine holprige Fahrt einstellen.

Der Marktplatz und seine Wahrzeichen

Das Herzstück der Altstadt ist zweifellos der Marktplatz, eingerahmt von prächtigen Fachwerkhäusern. Besonders ins Auge fällt das rot-weiß gestrichene Poganietz-Haus, ein Renaissance-Fachwerkhaus aus dem Jahr 1556, in dem heute ein kleines Conditorei-Museum untergebracht ist. Mittendrin das Rathaus im Renaissance-Stil, und gegenüber der runde Marktturm – mit 39 Metern Höhe und seinem achteckigen Spitzhelm prägt er das Bild des Platzes, diente einst als Wachturm und sogar als Gefängnis.

Nicht zu übersehen ist auch das Wahrzeichen der Stadt: der Falterturm. Zwischen 1469 und 1496 als Befestigungs- und Wachturm der äußeren Stadtmauer errichtet, beeindruckt er mit seinen 52 Metern Höhe – und vor allem mit seinem schiefen Turmhelm, der ihm den liebevollen Spitznamen „schiefer Turm von Kitzingen“ eingebracht hat. Der Legende nach soll der Mörtel einst mit Wein statt Wasser angerührt worden sein – nüchtern betrachtet ist es wohl einfach ein abgesacktes Dachgebälk. Schade übrigens: Seit 2011 steht der Turm aus brandschutztechnischen Gründen leer.

Die Alte Mainbrücke – ein Spaziergang mit Aussicht

Ein echtes Highlight ist die Alte Mainbrücke, auch „Pippinsbrücke“ genannt und Teil des Stadtwappens. Hier fahren keine Autos mehr – die Brücke ist für den Verkehr gesperrt und lädt stattdessen zum entspannten Schlendern mit Blick auf das malerische Mainufer ein. Sie zählt zu den wenigen Mainbrücken Unterfrankens mit mittelalterlichen Ursprüngen – ein echtes Stück Stadtgeschichte zum Anfassen.

Direkt angrenzend liegt die Mainpromenade. Hier sehe ich ehrlich gesagt noch viel ungenutztes Potenzial. Mit etwas mehr Pflege und Gestaltung könnte dieser Bereich deutlich attraktiver werden, als er sich mir präsentiert hat.

Mein ehrlicher Eindruck

Für einen kurzen Besuch ist Kitzingen durchaus in Ordnung – die Geschichte, die Fachwerkhäuser, der Blick von der alten Brücke, das hat schon seinen Charme. Aber ich muss auch sagen: Diese Stadt hat eindeutig schon schönere Zeiten erlebt. Mir sind einige stark verfallene Häuser und auch deutliche Leerstände aufgefallen, was den Gesamteindruck etwas trübt. Auch die Sauberkeit der Stadt hat mich leider nicht überzeugt.

Etwas unangenehm fand ich zudem die vielen E-Scooter- und E-Rollerfahrer, die zügig über die Mainbrücke rauschten – das sorgte bei mir für ein mulmiges Gefühl, gerade als Rollstuhlnutzerin.

Mein Fazit: Kitzingen lohnt einen kurzen Stopp, vor allem wegen der historischen Bausubstanz und der autofreien Mainbrücke. Wer aber einen Tag einplant, könnte am Ende etwas enttäuscht sein. Schade um das Potenzial, das hier eindeutig vorhanden wäre.


Sunny von sunnysworldtour – barrierefrei unterwegs, ehrlich berichtet.


Mein Barrierefreiheits-Check auf einen Blick

KategorieBewertungKommentar
🅿️ Parken⭐⭐⭐Mehrere Behindertenparkplätze, gut auf der städtischen Website vermerkt
🛤️ WegeKopfsteinpflaster in der gesamten Altstadt – anspruchsvoll
🚻 Toilette⭐⭐Standorte online abrufbar, Euroschlüssel erforderlich
🏛️ Sehenswürdigkeiten⭐⭐Schöne Bausubstanz, Mainbrücke gut erreichbar, Falterturm leider geschlossen
🌟 Gesamteindruck⭐⭐Kurzer Besuch lohnt sich, aber mit Einschränkungen

⭐ = eingeschränkt  |  ⭐⭐ = in Ordnung  |  ⭐⭐⭐ = sehr gut

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Endlich! Eine „Toilette für alle“ in Celles Altstadt

Mein ehrlicher Check vor Ort – von der Tür bis zum Waschbecken

Celle ist eine dieser Städte, die man am liebsten in aller Ruhe erkundet. Malerische Fachwerkhäuser, eine lebendige Altstadt, Geschichte an jeder Ecke. Doch wer mit Rollstuhl, Rollator oder anderen Hilfsmitteln unterwegs ist, kennt die Frage, die irgendwann immer kommt: Und wenn ich mal muss – wo gehe ich hin?

Vor meinem Besuch habe ich recherchiert – und bin dabei auf eine sehr erfreuliche Entdeckung gestoßen: In der Neuen Straße 2, mitten in der Celler Altstadt, gibt es seit einiger Zeit eine „Toilette für alle“. Ein Projekt der Stiftung Leben pur, gefördert unter anderem von Aktion Mensch und Bayern barrierefrei, mit dem Qualitätssiegel ausgezeichnet und feierlich an Bürgermeister Dr. Nigge übergeben. Klingt gut – aber wie ist es in der Realität? Ich habe es selbst ausprobiert.

Mit dabei: mein Euroschlüssel. Denn die Anlage ist montags bis sonntags zwischen 09:00 und 19:00 Uhr mit einem Euro-WC-Schlüssel zugänglich. Gut zu wissen – wer also ohne unterwegs ist, schaut leider durch die (verschlossene) Tür.


Was mich vor Ort erwartet hat – ehrlich und ungeschönt

Das Haus von außen macht einen gepflegten Eindruck, und schon der Eingang zeigt: Hier hat jemand mitgedacht. Ich habe Fotos gemacht – vom Außenbereich, vom Eingang, vom Flur, der leicht schräg nach oben führt. Eine kleine Steigung, die ich der Vollständigkeit halber erwähne – mit dem Rollator oder Rollstuhl gut machbar, aber nicht ganz eben. Der Handlauf war vorhanden und gut erreichbar, was ich sehr zu schätzen weiß.

Die Tür selbst: breit, problemlos zu öffnen. Dahinter eine Toilette, die ihren Namen wirklich verdient. Ausreichend Bewegungsfreiraum – kein Jonglieren, kein Rangieren mit schlechtem Gewissen, kein Moment, in dem ich dachte: Hier hätte man mehr nachdenken müssen. Es hat gepasst. Wirklich.

Das Waschbecken unterfahrbar, die Haltegriffe an der Toilette dort, wo sie hingehören. Und dann das, was mich vielleicht am meisten beeindruckt hat: Es war blitzsauber. In einer öffentlichen, frei zugänglichen Behindertentoilette – und das meine ich so, wie ich es sage. Sauber. Gepflegt. Würdevoll.

Die Anlage verfügt außerdem über eine höhenverstellbare Liege und einen Lifter – das macht sie zu einer echten „Toilette für alle“, also auch für Menschen mit komplexer Behinderung, die auf Pflege angewiesen sind. Das ist nicht selbstverständlich und verdient ausdrücklich Erwähnung.


Mein Fazit: Celle macht es vor

Ich habe schon viele Behindertentoiletten besucht – manche davon hätten mich fast zum Weinen gebracht, aus anderen Gründen als Rührung. Diese hier hat mich schlicht und ergreifend gefreut. Eine saubere, gut durchdachte, wirklich nutzbare Anlage, zentral gelegen in einer wunderschönen Altstadt.

Für alle, die Celle besuchen: Ihr könnt entspannt losziehen. Die Neue Straße 2 ist euer Anlaufpunkt – Euroschlüssel einpacken, und der Ausflug kann kommen.

Und an die Stadt Celle: Danke. So geht Inklusion im Alltag. 💛


Sunny von sunnysworldtour – barrierefrei unterwegs, ehrlich berichtet.

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tägliche Leben erleichtern

Weil Selbstständigkeit kein Luxus ist – sondern mein Anspruch ans Leben

Es gibt Tage, an denen die Hände nicht mitspielen. Tage, an denen die Arme früher müde werden als geplant, der Griff nicht sitzt oder eine ganz alltägliche Kleinigkeit – eine Flasche öffnen, die Haare föhnen, ins Auto einsteigen – plötzlich zur echten Herausforderung wird.

Ich bin Sunny, ich reise mit Rollstuhl durch die Welt und schreibe auf sunnysworldtour,travel.blog über barrierefreies Reisen. Aber das Leben findet nicht nur auf Reisen statt. Es findet jeden Morgen in der Küche statt, im Bad, auf dem Parkplatz, im Auto. Und genau dort haben sich im Laufe der Zeit Helfer eingeschlichen, die ich nicht mehr missen möchte.

Heute zeige ich euch meine persönlichen Lieblinge – Hilfsmittel, die ich wirklich benutze, die mir wirklich helfen und die ich euch von Herzen empfehlen kann. Kein Werbebeitrag. Nur ehrliche Alltagserfahrung.


📸 Foto 2 – Föhnhalter mit Saugnapf: Wenn die Arme einfach keine Lust mehr haben

Haare föhnen klingt banal. Ist es aber nicht, wenn die Arme schmerzen oder schnell ermüden. Der Föhnhalter mit Saugnapf klebt an jedem glatten Spiegel oder Fliesenspiegel und hält den Föhn in der richtigen Position – während ich beide Hände frei habe, um meine Haare zu stylen. Einfach. Genial. Und so ein bisschen Wellness-Feeling, weil ich es tun kann, wie ich will.


📸 Foto 3 – Langer Kamm mit Griffverlängerung: Mehr Reichweite, mehr Freiheit

Wer denkt, ein Kamm ist ein Kamm – hat noch keinen mit Griffverlängerung in der Hand gehabt. Für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit in Schulter oder Arm ist die verlängerte Version ein echter Gamechanger. Hinten kämmen, oben kämmen, ohne Verrenkungen – das klingt nach Kleinigkeit und fühlt sich nach Freiheit an.


📸 Foto 4 – Flaschenöffner mit Krallen: Grip auf Knopfdruck

Schraubverschlüsse sind meine persönlichen Erzfeinde. Glatt, störrisch und völlig unbeeindruckt von meinen besten Versuchen. Der Flaschenöffner mit Krallen legt sich um den Deckel und gibt mir den Grip, den meine Hände alleine manchmal nicht aufbringen. Tee, Mineralwasser, Saft – alles kein Problem mehr. Und ja, dieser kleine Triumph gehört zu meinen täglichen Lieblingsmomenten.


📸 Foto 5 – Glasöffner: Der stille Held in meiner Küchenschublade

Ähnliches Prinzip, andere Form: Der Glasöffner – ob als Gummiring, Zangengriff oder elektrische Variante – macht Gläser mit fest sitzenden Deckeln gefügig. Marmelade, Gurken, eingelegte Paprika – alles, was sich bisher standhaft geweigert hat, aufzugehen, öffnet sich jetzt mit einem Bruchteil der Kraft. Wer kennt den Moment, wenn man verzweifelt das Glas unter heißes Wasser hält und hofft? Den gibt es bei mir kaum noch.


📸 Foto 6 – Selbstöffnende Schere für schwache Hände: Schneiden ohne Kraftakt

Normale Scheren brauchen Griffkraft beim Schließen – und Griffkraft beim Öffnen. Eine selbstöffnende Schere federt nach jedem Schnitt automatisch wieder auf. Das klingt nach einer Winzigkeit, aber für Hände, die schnell ermüden oder wenig Kraft haben, bedeutet das: Ich kann schneiden, solange ich möchte. Basteln, Kochen, Verpackungen öffnen – alles wieder drin.


📸 Foto 7 – Auto-Einstiegshilfe, der Griff: Festhalten und loslegen

Ins Auto ein- und aussteigen ist eine Übung, die gesunde Menschen kaum bewusst wahrnehmen. Für mich ist es ein Moment, der gut klappen muss. Der Einstiegsgriff hakt in den Türrahmen ein und gibt mir einen stabilen Halt, um mich sicher hineinzusetzen oder aufzustehen. Klein, leicht, schnell eingehakt – und ein riesiger Unterschied im Alltag.


📸 Foto 8 – Der Euroschlüssel: Mein goldener Schlüssel zur Welt

Wer ihn kennt, liebt ihn. Wer ihn noch nicht kennt: Der Euroschlüssel öffnet europaweit barrierefreie Toiletten, Aufzüge, Umkleidekabinen und andere Einrichtungen, die mit dem Eurokey-System ausgestattet sind. Über 70.000 Schließanlagen in ganz Europa – in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und vielen weiteren Ländern. Für mich ist er fester Bestandteil meiner Handtasche. Auf Reisen sowieso, aber auch zu Hause. Man weiß ja nie.


📸 Foto 9 – Greifzangen in verschiedenen Längen: Meine verlängerten Arme

Eine Greifzange ist nicht gleich eine Greifzange. Kurze für die Küche, lange für den Boden, extra lange für Dinge, die hinter dem Sofa verschwunden sind. Ich habe mehrere – und ich benutze sie alle. Etwas aufheben ohne Bücken, etwas aus einem hohen Regal holen, ein heruntergerolltes Stück Papier vom Boden greifen – meine Greifzangen erledigen das kommentarlos und zuverlässig. Beste Investition des Jahres, jedes Jahr wieder.


📸 Foto 10 – Drehkissen fürs Auto: Rein, drehen, fertig

Das Drehkissen ist mein heimlicher Favorit. Es liegt auf dem Autositz, ich setze mich drauf – und drehe mich dann einfach mit minimalem Aufwand in die richtige Position. Keine Verrenkungen, kein Zerren, kein „warte mal kurz“-Gemurmel. Rein, drehen, Tür zu, losfahren. Wer viel Auto fährt und beim Ein- und Aussteigen kämpft, dem sage ich: Probiert es aus. Ihr werdet euch fragen, wie ihr je ohne ausgekommen seid.


Mein Fazit: Kleine Helfer, große Wirkung

Keines dieser Hilfsmittel ist teuer. Keines ist kompliziert. Und keines ersetzt die großen Hilfsmittel wie Rollator, EFix oder Rollstuhl. Aber zusammen ergeben sie etwas sehr Wertvolles: einen Alltag, in dem ich vieles selbst erledigen kann. In dem ich nicht warten muss, nicht bitten muss, nicht auf jemanden angewiesen bin – jedenfalls nicht für die kleinen Dinge des Lebens.

Und genau das ist mir wichtig. Nicht Perfektion. Sondern Selbstständigkeit.

Habt ihr eigene Lieblingshelfer, die euren Alltag erleichtern? Ich freue mich über eure Tipps in den Kommentaren – wir lernen alle voneinander! 💛


Sunny von sunnysworldtour – barrierefrei unterwegs, ehrlich berichtet.

Barrierefrei reisen – aber wirklich! Mein persönlicher Hotel-Check mit 13 Fragen, die ich immer stelle

Kennst du das? Du buchst ein Hotel, das sich „barrierefrei“ nennt – und stehst dann mit Rollstuhl vor einer Treppe ohne Rampe, einem Badezimmer, in dem der Rollstuhl gerade so durch die Tür passt (oder eben nicht), und einem Duschhocker, der aussieht, als hätte ihn jemand dort vergessen. Herzlichen Glückwunsch, das ist leider noch immer Realität in vielen deutschen und europäischen Hotels.

Ich, Sunny von sunnysworldtour.travel, reise mit Rollstuhl und einem sehr genauen Blick für das, was wirklich zählt. Nach vielen Reisen – guten wie weniger guten – habe ich mir meine persönliche Checkliste erarbeitet. 13 Punkte, 13 Fotos, 13 Fragen, die ich stelle, bevor ich buche, und die ich vor Ort immer dokumentiere.

Heute nehme ich euch mit auf meinen ganz persönlichen Barrierefreiheits-Rundgang durch ein Hotel. Schaut her – so geht’s!


📸 Foto 1 – Der Hoteleingang: Willkommen oder Hindernis?

Der erste Eindruck zählt – und zwar buchstäblich. Ein barrierefreier Hoteleingang hat keine Stufen, keine hohe Schwelle und ausreichend Platz, um bequem durchzufahren oder -zugehen. Idealerweise ist der Weg vom Parkplatz bis zur Tür eben, breit und gut beleuchtet. Wenn ich schon am Eingang kämpfen muss, frage ich mich: Was erwartet mich dann erst im Zimmer?

Meine Frage vorab: Gibt es einen stufenlosen Zugang zum Haupteingang?


📸 Foto 2 – Behindertenparkplatz direkt vor dem Hotel

Nah dran, breit genug, gut ausgeschildert – das ist, was ein echter Behindertenparkplatz leisten muss. Der hier liegt direkt vor dem Eingang. Kein langer Weg mit Gepäck, kein Umweg über Kopfsteinpflaster. So soll es sein.

Meine Frage vorab: Gibt es reservierte Parkplätze direkt am Haus, und wie viele?


📸 Foto 3 – Behindertenparkplatz in der Nähe

Manchmal liegt der nächste barrierefreie Parkplatz nicht direkt vor der Tür – sondern 50 oder 100 Meter entfernt. Für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl kann das schon ein echter Unterschied sein. Wichtig ist: Ist der Weg dorthin ebenfalls barrierefrei? Oder lauert dazwischen eine Bordsteinkante, die einem den Tag verderben kann?

Meine Frage vorab: Falls der Hotelparkplatz voll ist – gibt es eine barrierefreie Alternative in der Nähe?


📸 Foto 4 – Treppe UND Rampe: Beides vorhanden, aber wie ist die Rampe?

Dieses Foto sagt eigentlich alles. Ja, es gibt eine Rampe. Aber: Ist sie breit genug? Ist die Steigung wirklich befahrbar? Hat sie einen Handlauf? Ich habe schon Rampen gesehen, die so steil waren, dass ich sie mit dem EFix nur im Rückwärtsgang bewältigen konnte – und das mit mulmigem Gefühl. Eine Rampe ist kein Freifahrtschein für „barrierefrei“.

Meine Frage vorab: Wie steil ist die Rampe, und ist sie auch bei Nässe rutschfest?


📸 Foto 5 – Automatischer Türdrücker: Klein, aber oho!

Dieser kleine Knopf ist manchmal Gold wert. Wer selbstständig und mit vollen Händen (oder mit dem Rollator) eine schwere Hoteltür öffnen soll, weiß, wovon ich rede. Ein automatischer Türöffner macht den Unterschied zwischen „ich komme selbst rein“ und „ich muss warten, bis mir jemand die Tür aufhält“. Selbstständigkeit ist Würde.

Meine Frage vorab: Haben die Eingangstüren und Innentüren automatische Öffner?


📸 Foto 6 – Die automatische Tür: Wenn sie aufgeht, ohne dass ich etwas tue

Noch eine Stufe besser als der Knopf: Die Tür, die sich von selbst öffnet. Bewegungsmelder, Lichtschranke – egal wie, Hauptsache, sie öffnet rechtzeitig, weit genug und bleibt lang genug auf. Klingt selbstverständlich. Ist es leider nicht immer.

Meine Frage vorab: Wie breit öffnet die automatische Tür, und wie lange bleibt sie offen?


📸 Foto 7 – Der Aufzug: Mein treuer Begleiter auf Reisen

Ohne Aufzug kein barrierefreies Hotel – das ist für mich gesetzt. Aber nicht jeder Aufzug ist wirklich nutzbar. Die Kabine muss groß genug sein für Rollstuhl oder Rollator plus Begleitperson. Die Bedienelemente müssen erreichbar sein. Und die Türen? Müssen lange genug offen bleiben, damit man nicht eingeklemmt wird. Das klingt selbstverständlich – und ist es leider nicht immer.

Meine Frage vorab: Wie groß ist die Aufzugskabine (Breite × Tiefe), und in welcher Höhe befinden sich die Bedienelemente?


📸 Foto 8 – Die Zimmertür: Breit genug für mich?

Endlich im Korridor angekommen – und dann passt die Tür nicht. Das ist kein Witz, das ist Alltag. Die DIN-Norm empfiehlt mindestens 90 cm lichte Breite für barrierefreie Türen. Ich schaue außerdem auf den Türgriff (Hebel statt Knauf!) und darauf, ob die Tür leicht zu öffnen ist.

Meine Frage vorab: Wie breit ist die Zimmertür (lichte Weite)?


📸 Foto 9 – Duschstuhl und Haltegriffe: Das Herzstück des barrierefreien Bades

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Ein Duschstuhl muss stabil sein, die richtige Höhe haben und ausreichend Platz lassen, um ihn zu umfahren. Die Haltegriffe müssen dort sein, wo man sie braucht – nicht wo sie dem Innenarchitekten gut gefallen haben. Ich fotografiere das immer, weil ich es später im Bericht zeigen möchte: So sieht es wirklich aus.

Meine Frage vorab: Gibt es einen fest montierten Duschklappsitz und Haltegriffe auf beiden Seiten?


📸 Foto 10 – Die barrierefreie Dusche: Bodengleich, groß genug, ohne Barriere?

Eine bodengleiche Dusche ist das A und O. Keine Duschwanne, keine Schwelle, kein „kleiner Schritt“ – der für manche eben kein kleiner Schritt ist. Dazu: Ist die Dusche groß genug, um sich mit Hilfsmittel darin zu bewegen? Ist der Ablauf mittig oder an der Seite? Läuft das Wasser weg, ohne dass der halbe Boden nass wird?

Meine Frage vorab: Ist die Dusche wirklich schwellenlos, und wie groß ist die Fläche?


📸 Foto 11 – Das Waschbecken: Passt der Rollstuhl darunter?

Ein unterfahrbares Waschbecken klingt wie eine Kleinigkeit – ist aber für Rollstuhlfahrende das Entscheidende. Kein Schrank darunter, keine Säule, kein Siphon, der im Weg ist. Und die Armaturen? Am besten als Einhebelmischer oder berührungslos, damit man sie auch mit eingeschränkter Handkraft bedienen kann.

Meine Frage vorab: Ist das Waschbecken unterfahrbar, und auf welcher Höhe befindet es sich?


📸 Foto 12 – Haltegriffe bei der Toilette: Auf beiden Seiten?

Haltegriffe sind nicht gleich Haltegriffe. Entscheidend ist: Sind sie auf beiden Seiten vorhanden? Sind sie klappbar (damit man seitlich an die Toilette heranfahren kann)? Sind sie stabil genug, um das eigene Gewicht zu tragen? Ich teste das immer – höflich, aber gründlich.

Meine Frage vorab: Gibt es beidseitige, klappbare Haltegriffe neben der Toilette?


📸 Foto 13 – Das gesamte Bad: Genug Bewegungsfreiraum für den Rollstuhl?

Das letzte Bild – und das wichtigste. Denn selbst wenn alle Einzelpunkte stimmen: Wenn man im Bad nicht wenden kann, nützt das alles nichts. Der Wendekreis eines Rollstuhls beträgt in der Regel mindestens 150 cm. Ich schaue, ob Platz vor der Toilette ist, vor der Dusche, neben dem Waschbecken – und ob das Bad insgesamt so konzipiert ist, dass man sich darin frei bewegt und nicht jongliert.

Meine Frage vorab: Wie groß ist das Badezimmer, und gibt es ausreichend Bewegungsfläche (mind. 150 × 150 cm Wendefläche)?


Mein Fazit: Fragen kostet nichts – Schweigen kostet alles

Hotels, die sich „barrierefrei“ nennen, meinen damit sehr Unterschiedliches. Manche haben alles – andere haben nur einen Haltegriff irgendwo angebracht und nennen das dann „für unsere Gäste mit eingeschränkter Mobilität geeignet“. Nein danke.

Deshalb frage ich vorab. Immer. Diese 13 Punkte sind mein persönlicher Hotel-TÜV – und ich stelle sie, bevor ich buche, per E-Mail oder Telefon. Wer keine konkreten Antworten geben kann oder will, hat von mir keine Buchung.

Und wer antwortet, Fotos schickt und wirklich Bescheid weiß? Der bekommt eine loyale Gästin, die darüber schreibt. Versprochen. 😊

Habt ihr eigene Fragen, die ihr immer stellt? Schreibt sie mir in die Kommentare – ich bin gespannt, was auf eurer Checkliste steht!


Sunny von sunnysworldtour – barrierefrei unterwegs, ehrlich berichtet.

🚗💔 Manchmal schreibt das Leben die Reisegeschichte neu…

Am Sonntag sollte meine große Italien-Rundreise beginnen. Wochenlang geplant, Ferienwohnungen gebucht, der Rollstuhl verstaut, der Dachkoffer gepackt – die Vorfreude war riesig.

Doch kurz vor Uffenheim kam alles anders.

Plötzlich erschien die Meldung: „Öldruck zu niedrig“. Das Auto drosselte sich selbst, der Motor begann zu rasseln. Mit viel Glück erreichten wir noch die Ausfahrt und eine Tankstelle. Öl nachgefüllt, sogar zweimal – aber das Geräusch blieb.

Der ADAC schleppte uns zur Werkstatt. Sonntag. Geschlossene Tore. Uns blieb nur, ein möglichst barrierefreies Hotel zu suchen und die erste Ferienwohnung über unsere Verspätung zu informieren.

Am Montag dann die niederschmetternde Diagnose:

Der Zahnriemen hat sich aufgelöst und Teile davon befinden sich in der Ölwanne. Reparaturkosten vermutlich rund 3.000 Euro. Ob zusätzlich ein Motorschaden entstanden ist, kann aktuell niemand sagen.

Ein Schock.

Statt durch Italien zu reisen, telefonierte ich mit Versicherungen, Werkstätten und Vermietern. Ferienwohnungen mussten storniert werden. Die große Reise, auf die ich mich so gefreut hatte, steht plötzlich auf der Kippe.

Heute bekam ich schließlich einen Leihwagen für die Heimreise.

Der schwerste Moment war jedoch der Abschied von meiner „Hexenkutsche“. ❤️

Mit all den Erinnerungen vergangener Reisen stand sie dort auf dem Werkstatthof in Uffenheim. Ich habe sie noch einmal gestreichelt und mich verabschiedet. Ob wir noch viele gemeinsame Kilometer vor uns haben, weiß ich im Moment nicht.

Manchmal bedeutet Reisen nicht nur Aufbruch, Freiheit und Abenteuer. Manchmal bedeutet es auch Enttäuschung, Unsicherheit und die Herausforderung, neue Wege zu finden.

Wie es weitergeht, weiß ich heute noch nicht.

Aber eines weiß ich sicher: Aufgeben gehört nicht zu meinen Reiseplänen.

Eure Sunny 🌻♿

📍 Uffenheim statt Italien
🚗 Panne auf der ersten Etappe
♿ Unterwegs mit Rollstuhl
🧳 Reisepläne vorerst gestoppt

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sunnysworldtour.travel.blog 🌻♿✈️


Manchmal schreibt das Leben die Reisegeschichte neu…

Höhenangst? Egal! — Wie ich mit dem EFix das Riesenrad eroberte

Über den Dächern von Rothenburg — Mein Riesenrad-Moment mit dem EFix  🎡

Es gibt Momente im Leben, in denen man sich selbst überrascht. Momente, in denen man denkt: Hätte mir das jemand vor einem Jahr erzählt, hätte ich herzlich gelacht. Dieser Moment kam für mich auf einem großen, geschäftigen Parkplatz am Rand der mittelalterlichen, malerischen Altstadt von Rothenburg ob der Tauber — und er leuchtete bunt, drehte sich majestätisch in den Abendhimmel und hatte exakt 60 Meter Höhe.

Ein Riesenrad. Strahlend. Verlockend. Einschüchternd.


Der Funke: Ein Instagram-Post und eine mutige Idee

Alles begann — wie so vieles in unserem modernen Leben — mit einem Instagram-Beitrag. Ich hatte kurz zuvor ein Foto gesehen: eine Rollstuhlfahrerin, strahlend, siegessicher, hoch oben in einer Riesenrad-Gondel. Das gibt es also, dachte ich. Das ist möglich. Und dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los.

Als ich also wenig später am Abend mit meinem treuen EFix über den weitläufigen, gut asphaltierten Parkplatz rollte und das Riesenrad in der golden-rötlichen Abendsonne vor mir aufragte — da war die Entscheidung längst gefallen. Ich sagte es meinem Begleiter. Er schaute mich an. Ich schaute ihn an. Und dann rollten wir los.


Die Überraschung: Ein Außenaufzug, der alles verändert

Was ich nicht erwartet hatte: Bereits der Zugang zum Kassenbereich war durchdacht und rollstuhlgerecht gelöst. Rechts neben dem Eingang wartete ein kompakter Außenaufzug — eine Heberampe, schlicht, funktional, aber in diesem Moment für mich golden. Mit dem EFix auf die kleine Plattform gerollt, Knopf gedrückt — und schwups, befand ich mich einen Meter höher, auf der Ebene, wo das Leben am Riesenrad begann: Kasse, Trubel, Vorfreude.

Mein Begleiter erkundigte sich höflich beim Personal. Ob es denn mit dem Wheelchair — also für eine mobility-challenged Person wie mich — eine Möglichkeit gäbe, mitzufahren? Die Antwort kam prompt und erfreulich entspannt: Ja, selbstverständlich. Eintritt für mich: 9 Euro. Begleitperson: umsonst. Ein breites Lächeln machte sich auf meinem Gesicht breit.

Ich musste lediglich nach hinten ausweichen — vorne stiegen die fußläufigen Fahrgäste ein, während wir geduldig und erwartungsvoll warteten. Und dann — endlich — rollte sie heran: die Gondel mit dem Rollstuhlsymbol. Groß, geräumig, einladend. Der freundliche Mitarbeiter öffnete schwungvoll das Tor, klappte zwei stabile Rampen aus, und mit einem beherzten Anlauf rollte ich hinein. Mein Begleiter folgte. Tor zu. Und dann begann das Abenteuer.


60 Meter Höhenangst, Ruckelei und pure Faszination

Ich gebe es offen zu: Ich habe eine kleine, aber durchaus lebhafte Höhenangst. Sie ist nicht dramatisch, nicht lähmend — aber sie ist da, pocht leise und meldet sich zuverlässig, wenn der Boden unter mir in weite Ferne rückt.

Bei etwa 40 Metern ruckelte die Gondel. Nur kurz. Nur ein bisschen. Aber mein Magen war sofort hellwach und schickte eine unmissverständliche Nachricht ans Gehirn: Achtung. Wir sind sehr hoch. Ich klammerte mich innerlich zusammen, lachte nach außen hin tapfer — und schaute hinaus.

Und dann war da oben plötzlich alles vergessen.

Denn Rothenburg ob der Tauber aus 60 Metern Höhe ist schlicht und ergreifend atemberaubend. Die mittelalterlichen Türme, die roten Ziegeldächer, die gewundenen Gässchen — alles lag zu meinen Füßen wie ein detailverliebtes, lebendiges Modell einer anderen Zeit. Die Abendsonne tauchte die gesamte Szenerie in ein warmes, unwirklich schönes Licht, und ich saß mittendrin, hoch oben, und konnte nicht aufhören zu staunen.

Drei Mal drehte sich das Riesenrad. Und jedes Mal, wenn wir den höchsten Punkt erreichten, gab es Neues zu entdecken: hier ein versteckter Turm, dort ein leuchtend grüner Garten hinter alten Mauern, und am Horizont die sanft geschwungene Landschaft Frankens, die sich endlos weit erstreckte. Ich fotografierte. Ich staunte. Ich vergaß meine Höhenangst. Fast.


Fazit: Inklusion kann sich drehen — und das wunderschön

Dieser Abend hat mir etwas Wichtiges gezeigt. Nicht nur, dass ich mutiger bin, als ich manchmal denke. Sondern dass Inklusion funktioniert, wenn jemand sie wirklich will. Ein Außenaufzug, eine rollstuhlgerechte Gondel, aufgeklappte Rampen, ein freundlicher Mitarbeiter ohne Zögern und ein fairer Eintrittspreis mit kostenloser Begleitperson — das ist kein Hexenwerk. Das ist Haltung.

Das Riesenrad auf dem Parkplatz von Rothenburg ob der Tauber hat mir einen unvergesslichen Abend geschenkt. Es hat mich 60 Meter in die Höhe getragen — und mein Herz noch ein Stückchen höher.

Wer also das nächste Mal in Rothenburg ist und das Riesenrad auf dem Parkplatz sieht: Ranfahren. Fragen. Einsteigen. Es lohnt sich. Für alle.


Rollstuhl: EFix
· Höhe: ca. 60 Meter
· Eintritt: 9 € (Begleitperson frei)
· Barrierefreier Zugang: Außenaufzug + Rollstuhlgondel
· Empfehlung: Unbedingt! ⭐⭐⭐⭐⭐

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Spontan in Warendorf — Eine charmante Altstadt mit Licht und Schatten für Rollstuhlfahrer

Manchmal sind es die ungeplanten Ausflüge, die am meisten überraschen. So auch an diesem sonnigen Tag, als mich mein Weg spontan nach Warendorf führte — in die beschauliche Kreisstadt am Ufer der Ems, die sich stolz „Die Stadt des Pferdes“ nennt. Und dieser Beiname ist kein leeres Versprechen — wer durch die Altstadt schlendert, entdeckt ihn überall: prachtvolle Pferde-Motive schmücken Fassaden, Ladenschilder und Schaufenster. An einer Apotheke reckt sich ein stolzes Pferd in die Höhe, und auch ein Bäcker — wenn ich mich recht entsinne — hat seinem Handwerk ein ebenso edles Tier zur Seite gestellt. Klein, aber fein, und mit einem Augenzwinkern: Hier weiß man, wofür man steht.





 Was mich erwartete, war eine gepflegte, lebendige Altstadt voller historischer Charme — und gleichzeitig eine ehrliche Lektion in Sachen Barrierefreiheit.


Ankunft und Parken — Ein holpriger Start

Mein Ausflug begann, wie er für viele Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer beginnt: mit der Parkplatzfrage. Da es ein spontaner Besuch war, landete ich in einer Seitengasse — ohne Behindertenparkplatz. Kein optimaler Start.

Dabei gibt es in Warendorf durchaus Behindertenparkplätze. Die Stadt verfügt über verschiedene Parkbereiche in der Innenstadt, auf denen insgesamt mehrere Behindertenparkplätze ausgewiesen sind — verteilt auf verschiedene Parkbereiche mit Parkscheibe und Parkscheinautomat. Rund um den Wilhelmsplatz beispielsweise stehen 120 Stellplätze zur Verfügung, davon 4 ausgewiesene Behindertenparkplätze.

Klingt gut — wäre da nicht ein entscheidendes Problem: Wer diese Plätze vorab gezielt sucht, findet auf der Stadtwebsite zwar eine Übersichtsliste der Parkplätze, jedoch keine übersichtliche, dedizierte Seite für Menschen mit Handicap, die auf einen Blick zeigt, wo genau die Behindertenparkplätze liegen, wie breit sie sind und ob ausreichend Platz für das seitliche Aussteigen mit einem Elektrorollstuhl wie meinem EFix vorhanden ist.

Und genau das ist ein Problem. Denn bereits 2019 wurde in der Lokalpresse darauf hingewiesen, dass es in Warendorf zwar Behindertenparkplätze gibt, aber nicht genügend breite Plätze, auf denen Menschen mit einem E-Rollstuhl seitlich aussteigen können. Seitdem scheint sich daran wenig geändert zu haben — zumindest nicht in der öffentlichen Kommunikation darüber.

Mein Appell an die Stadt Warendorf: Eine klar strukturierte, barrierefreie Informationsseite über Behindertenparkplätze — mit Karte, Breiten­angaben und Anfahrtsbeschreibung — ist kein Luxus. Sie ist Voraussetzung für selbstständige Mobilität.


Kopfsteinpflaster — Das ewige Thema

Wer Warendorf kennt, kennt sein Pflaster. Und wer im Rollstuhl sitzt, kennt das Gefühl: kaum rollt man los, beginnt das Rütteln und Vibrieren. Das historische Kopfsteinpflaster der engen Gassen ist malerisch anzusehen — für meinen EFix allerdings eine echte Geduldsprobe. Jeder Stein ein kleiner Schlag, jede Unebenheit eine neue Herausforderung.

Eine positive Ausnahme bildet der Marktplatz: Hier sind deutlich größere, flacher verlegte Steine verwendet worden, was die Fahrt spürbar angenehmer macht. Der Unterschied ist bemerkenswert — und zeigt, dass es geht, wenn man es will. Ein kleiner, aber feiner Fortschritt, der Mut macht.


Die Toilettenfrage — Mit Euroschlüssel hinter dem alten Rathaus

Wer im Rollstuhl unterwegs ist, weiß: Die Frage nach der nächsten barrierefreien Toilette ist keine Kleinigkeit, sondern Überlebensstrategie. Ich hatte mich vorab in der App „Nette Toilette“ informiert — und dort eine ernüchternde Leere vorgefunden. Warendorf ist in der App mit Behindertentoiletten nicht vertreten. Für eine Altstadt dieser Größe und Bekanntheit ein deutliches Manko.

Fündig wurde ich schließlich hinter dem alten Rathaus, in einer Seitengasse — eine Behindertentoilette, zugänglich mit dem Euroschlüssel. Der Zustand: einigermaßen sauber, was ich durchaus zu schätzen weiß. Was mich jedoch beschäftigt: Der Raum war zu eng, um meinen Rollstuhl komfortabel zu manövrieren. Wer kennt das nicht — man jongliert, dreht, schiebt, und hofft, dass am Ende alles klappt. Laut Norm sollte ein rollstuhlgerechtes WC mindestens 165 x 215 cm messen, um den nötigen Wendekreis von 150 cm zu gewährleisten. Von diesem Standard war der Raum hinter dem alten Rathaus deutlich entfernt.

Positiv zu vermerken: In der Begegnungsstätte FreiRaum in Warendorf gibt es eine „Toilette für alle“ — eine rollstuhlgerechte Anlage mit erweiterter Ausstattung. Das ist erfreulich. Für Besucher der Altstadt jedoch nur dann hilfreich, wenn man weiß, wo sie sich befindet — und auch das steht auf der Stadtwebsite nicht prominent genug.


Die Altstadt — Klein, fein und faszinierend

Und nun das Schöne — denn davon gibt es in Warendorf zum Glück reichlich!

Die historische Altstadt hat mich trotz aller Hürden tief beeindruckt. Sie ist auffallend sauber, gepflegt und lebendig — kein trostloser Leerstand auf jedem zweiten Haus, wie man es andernorts so oft sieht. Die Geschäfte sind vielfältig, die Fassaden liebevoll erhalten, die Atmosphäre einladend und herzlich.

Besonders ins Auge gestochen sind mir die prachtvollen Handwerksschilder aus schwarzem Metall, die an mehreren Gebäuden befestigt sind — kunstvoll geschmiedet, mit Zunftsymbolen und historischen Motiven verziert. Sie erzählen stumm und stolz von der langen Handwerkstradition der Stadt und verleihen der Altstadt eine ganz eigene, unverwechselbare Identität. Ich habe sie ausgiebig fotografiert — und jedes Mal von Neuem gestaunt.

Der Marktplatz war an diesem Tag voller Leben: Menschen schlenderten, saßen in Straßencafés, Kinder liefen über das Pflaster. Diese Lebendigkeit, diese selbstverständliche Fröhlichkeit — sie hat mich berührt. Warendorf wirkt nicht wie eine Stadt, die vor sich hin döst. Sie lebt.


Fazit — Warendorf, du hast mein Herz berührt. Aber du könntest mehr tun.

Warendorf ist eine wunderschöne, gepflegte und lebendige Altstadt, die einen Besuch absolut wert ist. Die historischen Gassen, die schmucken Fachwerkhäuser, die markanten Handwerksschilder und der belebte Marktplatz hinterlassen bleibende Eindrücke.

Und doch bleibt ein bitterer Nachgeschmack für Menschen wie mich.

Eine Stadt, die für Besucher wirbt, muss auch für alle Besucher denken. Konkret bedeutet das:

Die Informationen zur Barrierefreiheit auf der Stadtwebsite sind unzureichend. Wer als Rollstuhlfahrerin plant, findet keine gebündelten, klaren Hinweise zu Behindertenparkplätzen, Toiletten oder rollstuhlgeeigneten Routen. Das ist im Jahr 2025 nicht mehr zeitgemäß. Die „Nette Toilette“-App kennt Warendorf nicht — ein Versäumnis, das mit einem einzigen Eintrag behoben wäre. Und die einzige auffindbare Behindertentoilette in der Altstadt war zu klein für ein komfortables, würdevolles Manövrieren.

Inklusion fängt nicht mit großen Gesten an. Sie fängt damit an, dass jemand sich hinsetzt und eine barrierefreie Informationsseite pflegt. Dass jemand nachmisst, ob ein WC-Raum wirklich groß genug ist. Dass eine Stadt sagt: Wir wollen, dass du kommst — und zwar alle.

Warendorf, du hast das Potenzial. Jetzt zeig es auch.


Besucht im Frühjahr 2026 · Rollstuhl: EFix · Euroschlüssel: erforderlich · Nette Toilette App: nicht vertreten · Empfehlung: Ja — mit Vorbereitung

Die Welt in der Blüte — Wenn mein Objektiv das findet, was andere übersehen  — Was blüht, fragt nicht, wer kommt

Es gibt Momente auf meinen Reisen, in denen ich innehalte. Nicht weil mein Rollator mich zwingt. Nicht weil der Weg zu Ende ist. Sondern weil da — direkt vor mir, auf Augenhöhe mit meinem Herzen — etwas so Zerbrechliches, so Leuchtendes blüht, dass ich einfach nicht weitergehen kann.

Ich hole meine Kamera heraus. Ich atme. Und ich tauche ein.


Nah dran sein — meine Art zu reisen

Viele Menschen denken, Reisen bedeutet weite Strecken, hohe Aussichtspunkte, endlose Promenaden. Für mich bedeutet Reisen oft das Gegenteil: das Kleine. Das Übersehene. Das Unscheinbare, das bei genauerem Hinsehen atemberaubend ist.

Die Makrofotografie hat mir eine Welt geschenkt, die sich nicht um Barrieren schert. Eine Rosenblüte an einem niedrigen Gartenzaun. Ein Lavendelstängel am Wegesrand eines barrierefreien Pfades. Eine Dahlie, die sich in voller Pracht einem Botanischen Garten entfaltet — gerade dort, wo der Weg breit genug ist für meinen Rollstuhl, wo ich ankommen darf.

Die Natur ist demokratisch. Sie blüht für alle. Sie streckt ihre Blütenblätter aus, ohne zu fragen, wer auf zwei Beinen steht und wer nicht.


Drei kleine Blumen — und was sie mir sagen

Manchmal sind es nicht die prachtvollen Rosen oder die exotischen Orchideen, die mich am tiefsten berühren. Manchmal ist es das, was am Wegesrand wächst. Was niemand gepflanzt hat. Was einfach da ist — ungefragt, unerschrocken, wunderschön.

Das Gänseblümchen zum Beispiel. So klein, dass es die meisten Menschen achtlos zertreten. Aber durch mein Makroobjektiv wird es zur Kathedrale: weiße Blütenblätter, die sich wie Sonnenstrahlen um ein goldenes Herz legen, so präzise und vollkommen, als hätte jemand stundenlang daran gearbeitet. Das Gänseblümchen braucht keine Bühne. Es blüht einfach. Überall. Für alle. Unaufgeregt und unaufhörlich — und darin steckt für mich eine stille Botschaft: Du musst nicht laut sein, um da zu sein.

Die Butterblume leuchtet, als hätte jemand flüssiges Gold in eine Blüte gegossen. Kräftig, satt, unübersehbar gelb. Durch die Linse wirkt sie fast unwirklich — so intensiv, so selbstbewusst. Die Butterblume entschuldigt sich nicht für ihre Farbe. Sie strahlt einfach. Und genau das mag ich an ihr so sehr: diese Unbekümmertheit. Diese Haltung, die sagt — ich bin hier, ich gehöre dazu, Punkt.

Und dann ist da die Pusteblume. Die zerzauste, die vergängliche, die magische. Was einmal eine leuchtend gelbe Butterblume war, ist nun ein zartes Kugelwerk aus Samen, die nur darauf warten, vom Wind davongetragen zu werden. Durch das Makroobjektiv sieht jeder einzelne Samen aus wie ein winziger Fallschirm — ein kleines Wunder der Ingenieurskunst, unsichtbar für das eilige Auge. Wenn ich die Pusteblume fotografiere, halte ich immer kurz inne. Denn sie erinnert mich daran: Loslassen kann auch Aufbruch sein. Jeder Samen trägt ein neues Versprechen in sich.


Was ich sehe, wenn andere weitergehen

Wenn Reisegruppen an mir vorbeieilen — weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit, schnell, schnell — halte ich inne bei dem, was sie nicht sehen. Das samtige Innere einer Pfingstrose. Die feinen Äderchen eines Mohns, zart wie altes Pergament. Den Tautropfen auf einem Rosenblatt, der die ganze Welt in sich spiegelt — eine kleine, runde, vollkommene Welt.

Mein Objektiv geht näher heran, als es das bloße Auge je könnte. Und genau das ist es, was ich liebe: Diese Intimität. Dieses Verweilen. Dieses: Ich sehe dich wirklich.

Vielleicht ist das auch meine Art zu reisen. Nicht die Quantität der Orte, sondern die Tiefe des Blicks.


Barrierefreiheit beginnt im Kleinen — genau wie Schönheit

Wenn ich einen neuen Ort besuche — einen Park, eine Landesgartenschau, einen Schlossgarten — dann schaue ich immer zuerst: Komme ich überhaupt hin? Ist der Boden befestigt? Gibt es eine Rampe? Eine barrierefreie Toilette?

Und manchmal — nicht immer, aber manchmal — ist die Antwort: Ja. Und dann stehe ich plötzlich vor einem Rosenbeet, das in der Abendsonne glüht, oder vor einer Wiese voller Gänseblümchen und Butterblumen, die niemand für mich gepflanzt hat — die einfach da sind, für jeden, der innehält. Dann kniet sich mein Blick hinunter, mein Objektiv nimmt Anlauf, und für einen Moment spielt es keine Rolle mehr, wie viele Hürden ich überwunden habe, um hierher zu kommen.

In diesen Momenten denke ich: So sollte die Welt sein. Zugänglich. Offen. Schön für alle.

Inklusion ist keine große Geste. Sie beginnt damit, dass jemand darüber nachdenkt, ob ein Weg breit genug ist. Ob eine Bank dort steht, wo man verschnaufen kann. Ob eine Blumenwiese so erreichbar ist, dass auch ich davor stehen und staunen darf — Kamera in der Hand, Herz weit offen.


Meine Blüten — meine Freiheit

Ich fotografiere Blüten überall dort, wo ich ankomme. In Strandpromenaden-Beeten, in Burggärten, auf Balkonen von Ferienwohnungen, in Hotellobbys, am Rand von Botanischen Gärten, die mich mit befestigten Wegen einladen.

Jede Aufnahme ist ein kleines Stück Freiheit. Der Beweis, dass ich da war. Dass ich gesehen habe. Dass die Welt für mich geöffnet war — zumindest in diesem einen Moment, an diesem einen Flecken Erde.

Und wenn ich die Bilder später am Abend auf dem Bildschirm sehe — das stille Weiß des Gänseblümchens, das strahlende Gelb der Butterblume, die schwebende Leichtigkeit der Pusteblume — dann weiß ich: Dafür reise ich. Für diese Momente. Für diese Nähe zur Welt.

Für das, was blüht.


Alle Blütenfotos auf meinem Blog und Instagram entstehen auf meinen barrierefreien Reisen — immer auf der Suche nach Orten, die wirklich für alle offen sind. Die Kamera in der Hand, den Rollator daneben, das Herz weit offen.

🌸 Landesgartenschau Neuss – Ein Ausflug mit Rollstuhl, ehrlichem Blick und einer besonderen Begegnung

Neuss. Eine Stadt, die ich bisher noch nicht kannte – und die mich mit ihrer Landesgartenschau neugierig gemacht hatte. Mit meiner Begleitperson machten wir uns auf den Weg, voller Vorfreude auf blühende Beete, duftende Gartenlandschaften und – wie immer bei mir – mit dem kritischen Blick auf Barrierefreiheit.

🅿️ Parken – gut gedacht, aber die Beschilderung lässt zu wünschen übrig

Bereits bei der Anfahrt begann das erste kleine Abenteuer. Wir suchten nach Beschilderungen, um so nah wie möglich am Eingang parken zu können. An der Langemarckstraße, in der Nähe des Eingangs Ost, gibt es ausgewiesene Parkplätze für Menschen mit Handicap – soweit so gut. Allerdings habe ich die Einfahrt glatt verfahren, denn die Beschilderung in der Stadt empfand ich als etwas dürftig. Wir parkten schließlich auf einem Behindertenparkplatz in der Michaelstraße, nahe der Sparkasse – und hier möchte ich Neuss ausdrücklich loben! Die Behindertenparkplätze in der Neusser Innenstadt sind wirklich sehr gut umgesetzt. Eine Übersicht findet ihr hier: Barrierefrei parken in Neuss

Von dort aus war ich in gut zehn Minuten mit meinem Rolli am Eingang West – eine angenehme, gut befahrbare Strecke.

🎟️ Eintritt & erste Orientierung

Der reguläre Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 20 Euro. Als Rollstuhlnutzerin zahlte ich den ermäßigten Preis von 12 Euro – und meine Begleitperson durfte kostenfrei mit. Eine faire und ausgesprochen wichtige Regelung, die leider nicht überall selbstverständlich ist.

Direkt am Eingang informierte eine übersichtliche Infotafel über den gesamten Park – inklusive der Standorte der Behindertentoiletten. Ein guter erster Eindruck.

🌷 Der erste Teil – eher Sportstätte als Gartenschau

Ehrlich gesagt: Der Anfang hat mich ein wenig enttäuscht. Es gab nur sporadisch einige längliche Hochbeete sowie Beete auf dem Boden, wenige Bäume und Büsche. Auch die Anordnung der Frühlingsblumen wirkte auf mich nicht besonders harmonisch. Der ovale Sandkreis der ehemaligen Galopprennbahn hatte etwas Rätselhaftes – vielleicht war das so gewollt, vielleicht ein bewusster Verweis auf die Geschichte des Geländes.

Was mich hingegen wirklich begeistert hat: die Rundwege. Durchgehend mit soliden Betonplatten ausgelegt, ließen sie sich mit dem Rollstuhl mühelos und angenehm befahren. Hier konnten alle – ob zu Fuß oder mit Mobilitätshilfe – problemlos und sicher unterwegs sein. Große Anerkennung dafür!

Der vordere Bereich fühlte sich insgesamt eher wie eine Sportstätte oder ein Outdoor-Freizeitgelände an. Gut möglich, dass das Gelände nach der Gartenschau genau dafür genutzt werden soll – als lebendiger Begegnungsort für alle Generationen.

🏛️ Das große Gebäude in der Mitte – barrierefrei und einladend

Das zentrale Gebäude der Landesgartenschau ließ sich barrierefrei betreten – ein klares Plus. Drinnen konnte man gemütlich essen gehen oder durch hübsche Gartendeko stöbern. Draußen schloss sich eine Reihe von Container-Toiletten an, die ich mir natürlich genau angeschaut habe:

  • ✅ Rampe: annehmbar gut
  • ✅ Türbreite: in Ordnung
  • ✅ Zwei Haltegriffe vorhanden
  • ⚠️ WendeRadius: mit meinem Efix einigermaßen möglich – größere Rollstühle sollten am besten direkt rückwärts einfahren
  • ❌ Waschbecken: leider zu tief gebaut – ich konnte nicht darunterfahren, was das Händewaschen erheblich erschwert

Hier besteht eindeutig Verbesserungsbedarf. Ein unterfahrbares Waschbecken ist keine Luxuslösung – es ist eine Grundvoraussetzung für echte Barrierefreiheit.

Übrigens: Seit 2023 ist Neuss auch Teil des „Nette Toilette“-Netzwerks – eine großartige Initiative, über die ich bereits in einem separaten Blogbeitrag geschrieben habe. Mehr dazu hier: Die Nette Toilette in Neuss

🌿 Der hintere Teil – hier wurde es richtig schön

Hinter dem Gebäude öffnete sich das Gelände und wurde deutlich interessanter. Zahlreiche Spielmöglichkeiten für Kinder und Erwachsene luden zum Verweilen ein. Und dann – am kleinen See – entfaltete die Landesgartenschau endlich ihren ganzen Zauber.

Hier zeigte man eindrucksvoll, wie man seinen Garten neu und kreativ gestalten kann: mal mit warmem Holz, mal mit naturbelassenen Steinen, mal mit einem kleinen Schwimmteich oder einem charmanten Gartenteich. Diese Garteninseln waren wirklich inspirierend und wunderschön anzusehen. 🌊

🌱 Eine besondere Begegnung – barrierefreie Hochbeete

An diesem Teil des Parks erlebte ich einen Moment, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Herr Robert Wilmers, Tischlermeister und Master of Arts in Architecture (PBSA) aus Neuss, sprach mich mit leuchtenden Augen an und fragte, ob ich Lust hätte, vor einem seiner barrierefreien Hochbeete vorbeizufahren und einmal hineinzugreifen.

Ich fuhr mühelos darunter – und dann wühlte ich mit beiden Händen in der lockeren, duftenden Erde. Was für ein Moment! Ein unglaublich befreiendes, tiefes und glückliches Gefühl. Gärtnern, Erde spüren, Leben anfassen – das sollte für jeden Menschen möglich sein, unabhängig von Mobilitätseinschränkungen. Herr Wilmers lebt diese Überzeugung mit seinem Herzblut und seinem handwerklichen Können. Chapeau! 👏

🏡 Das i-Tüpfelchen: Ein Tiny House in den Bäumen

Auf dem Rückweg zum Ausgang entdeckte ich noch ein echtes Highlight: ein wunderschönes Tiny House, das charmant zwischen Bäumen befestigt war – mit einer traumhaft gestalteten Holzterrasse. Handwerklich makellos, ästhetisch bezaubernd und irgendwie märchenhaft. Ein perfekter Abschluss eines langen, erlebnisreichen Tages. 🌳

🌼 Mein Fazit

Die Landesgartenschau Neuss ist ein Ausflug, der sich – vor allem für den hinteren Bereich – durchaus lohnt. Die Wege sind vorbildlich barrierefrei, der Eintritt fair geregelt und die Begegnung mit dem barrierefreien Hochbeet war für mich persönlich das absolute Highlight. Der vordere Teil des Geländes könnte blumiger, grüner und üppiger gestaltet sein – hier hätte ich mir als Gartenschau-Besucherin mehr erwartet.

Neus ist auch in der App „Nette Toilette“ zu finden.

Meine persönliche Empfehlung: Im Sommer dürfte die Landesgartenschau Neuss noch einmal ganz anders und farbenprächtiger strahlen. Vielleicht lohnt sich dann ein zweiter Besuch! 🌞

KriteriumBewertung
Parken (Behindertenparkplätze)✅ Gut
Beschilderung in der Stadt⚠️ Verbesserungswürdig
Wegoberflächen / Rundwege✅ Sehr gut
Eintritt / Begleitperson frei✅ Sehr gut
Toiletten (Container)⚠️ Eingeschränkt barrierefrei
Waschbecken unterfahrbar❌ Nicht vorhanden
Barrierefreies Gebäude✅ Gut
Gesamterlebnis Barrierefreiheit⚠️ Gut mit Luft nach oben

Eure Sunny 🌸