Neuss. Eine Stadt, die ich bisher noch nicht kannte – und die mich mit ihrer Landesgartenschau neugierig gemacht hatte. Mit meiner Begleitperson machten wir uns auf den Weg, voller Vorfreude auf blühende Beete, duftende Gartenlandschaften und – wie immer bei mir – mit dem kritischen Blick auf Barrierefreiheit.
🅿️ Parken – gut gedacht, aber die Beschilderung lässt zu wünschen übrig
Bereits bei der Anfahrt begann das erste kleine Abenteuer. Wir suchten nach Beschilderungen, um so nah wie möglich am Eingang parken zu können. An der Langemarckstraße, in der Nähe des Eingangs Ost, gibt es ausgewiesene Parkplätze für Menschen mit Handicap – soweit so gut. Allerdings habe ich die Einfahrt glatt verfahren, denn die Beschilderung in der Stadt empfand ich als etwas dürftig. Wir parkten schließlich auf einem Behindertenparkplatz in der Michaelstraße, nahe der Sparkasse – und hier möchte ich Neuss ausdrücklich loben! Die Behindertenparkplätze in der Neusser Innenstadt sind wirklich sehr gut umgesetzt. Eine Übersicht findet ihr hier: Barrierefrei parken in Neuss
Von dort aus war ich in gut zehn Minuten mit meinem Rolli am Eingang West – eine angenehme, gut befahrbare Strecke.
🎟️ Eintritt & erste Orientierung
Der reguläre Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 20 Euro. Als Rollstuhlnutzerin zahlte ich den ermäßigten Preis von 12 Euro – und meine Begleitperson durfte kostenfrei mit. Eine faire und ausgesprochen wichtige Regelung, die leider nicht überall selbstverständlich ist.
Direkt am Eingang informierte eine übersichtliche Infotafel über den gesamten Park – inklusive der Standorte der Behindertentoiletten. Ein guter erster Eindruck.
🌷 Der erste Teil – eher Sportstätte als Gartenschau
Ehrlich gesagt: Der Anfang hat mich ein wenig enttäuscht. Es gab nur sporadisch einige längliche Hochbeete sowie Beete auf dem Boden, wenige Bäume und Büsche. Auch die Anordnung der Frühlingsblumen wirkte auf mich nicht besonders harmonisch. Der ovale Sandkreis der ehemaligen Galopprennbahn hatte etwas Rätselhaftes – vielleicht war das so gewollt, vielleicht ein bewusster Verweis auf die Geschichte des Geländes.
Was mich hingegen wirklich begeistert hat: die Rundwege. Durchgehend mit soliden Betonplatten ausgelegt, ließen sie sich mit dem Rollstuhl mühelos und angenehm befahren. Hier konnten alle – ob zu Fuß oder mit Mobilitätshilfe – problemlos und sicher unterwegs sein. Große Anerkennung dafür!
Der vordere Bereich fühlte sich insgesamt eher wie eine Sportstätte oder ein Outdoor-Freizeitgelände an. Gut möglich, dass das Gelände nach der Gartenschau genau dafür genutzt werden soll – als lebendiger Begegnungsort für alle Generationen.
🏛️ Das große Gebäude in der Mitte – barrierefrei und einladend
Das zentrale Gebäude der Landesgartenschau ließ sich barrierefrei betreten – ein klares Plus. Drinnen konnte man gemütlich essen gehen oder durch hübsche Gartendeko stöbern. Draußen schloss sich eine Reihe von Container-Toiletten an, die ich mir natürlich genau angeschaut habe:
- ✅ Rampe: annehmbar gut
- ✅ Türbreite: in Ordnung
- ✅ Zwei Haltegriffe vorhanden
- ⚠️ WendeRadius: mit meinem Efix einigermaßen möglich – größere Rollstühle sollten am besten direkt rückwärts einfahren
- ❌ Waschbecken: leider zu tief gebaut – ich konnte nicht darunterfahren, was das Händewaschen erheblich erschwert
Hier besteht eindeutig Verbesserungsbedarf. Ein unterfahrbares Waschbecken ist keine Luxuslösung – es ist eine Grundvoraussetzung für echte Barrierefreiheit.
Übrigens: Seit 2023 ist Neuss auch Teil des „Nette Toilette“-Netzwerks – eine großartige Initiative, über die ich bereits in einem separaten Blogbeitrag geschrieben habe. Mehr dazu hier: Die Nette Toilette in Neuss
🌿 Der hintere Teil – hier wurde es richtig schön
Hinter dem Gebäude öffnete sich das Gelände und wurde deutlich interessanter. Zahlreiche Spielmöglichkeiten für Kinder und Erwachsene luden zum Verweilen ein. Und dann – am kleinen See – entfaltete die Landesgartenschau endlich ihren ganzen Zauber.
Hier zeigte man eindrucksvoll, wie man seinen Garten neu und kreativ gestalten kann: mal mit warmem Holz, mal mit naturbelassenen Steinen, mal mit einem kleinen Schwimmteich oder einem charmanten Gartenteich. Diese Garteninseln waren wirklich inspirierend und wunderschön anzusehen. 🌊
🌱 Eine besondere Begegnung – barrierefreie Hochbeete
An diesem Teil des Parks erlebte ich einen Moment, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Herr Robert Wilmers, Tischlermeister und Master of Arts in Architecture (PBSA) aus Neuss, sprach mich mit leuchtenden Augen an und fragte, ob ich Lust hätte, vor einem seiner barrierefreien Hochbeete vorbeizufahren und einmal hineinzugreifen.
Ich fuhr mühelos darunter – und dann wühlte ich mit beiden Händen in der lockeren, duftenden Erde. Was für ein Moment! Ein unglaublich befreiendes, tiefes und glückliches Gefühl. Gärtnern, Erde spüren, Leben anfassen – das sollte für jeden Menschen möglich sein, unabhängig von Mobilitätseinschränkungen. Herr Wilmers lebt diese Überzeugung mit seinem Herzblut und seinem handwerklichen Können. Chapeau! 👏
🏡 Das i-Tüpfelchen: Ein Tiny House in den Bäumen
Auf dem Rückweg zum Ausgang entdeckte ich noch ein echtes Highlight: ein wunderschönes Tiny House, das charmant zwischen Bäumen befestigt war – mit einer traumhaft gestalteten Holzterrasse. Handwerklich makellos, ästhetisch bezaubernd und irgendwie märchenhaft. Ein perfekter Abschluss eines langen, erlebnisreichen Tages. 🌳
🌼 Mein Fazit
Die Landesgartenschau Neuss ist ein Ausflug, der sich – vor allem für den hinteren Bereich – durchaus lohnt. Die Wege sind vorbildlich barrierefrei, der Eintritt fair geregelt und die Begegnung mit dem barrierefreien Hochbeet war für mich persönlich das absolute Highlight. Der vordere Teil des Geländes könnte blumiger, grüner und üppiger gestaltet sein – hier hätte ich mir als Gartenschau-Besucherin mehr erwartet.
Neus ist auch in der App „Nette Toilette“ zu finden.
Meine persönliche Empfehlung: Im Sommer dürfte die Landesgartenschau Neuss noch einmal ganz anders und farbenprächtiger strahlen. Vielleicht lohnt sich dann ein zweiter Besuch! 🌞
| Kriterium | Bewertung |
| Parken (Behindertenparkplätze) | ✅ Gut |
| Beschilderung in der Stadt | ⚠️ Verbesserungswürdig |
| Wegoberflächen / Rundwege | ✅ Sehr gut |
| Eintritt / Begleitperson frei | ✅ Sehr gut |
| Toiletten (Container) | ⚠️ Eingeschränkt barrierefrei |
| Waschbecken unterfahrbar | ❌ Nicht vorhanden |
| Barrierefreies Gebäude | ✅ Gut |
| Gesamterlebnis Barrierefreiheit | ⚠️ Gut mit Luft nach oben |
Eure Sunny 🌸














































































































































































































































































































