Digitale Helfer auf meine Reisen – Barrierefreie Apps entdecken

meine Apps auf meinem Handy

Barrierefreiheit beginnt oft im Smartphone

Barrierefreiheit beginnt oft im Smartphone

Wer wie ich mit Rollator und E-Fix-Rollstuhl unterwegs ist, weiß: Die beste Reiseplanung nützt nichts, wenn man vor Ort dann doch vor einer Treppe steht oder verzweifelt nach einer geeigneten Toilette sucht. Genau deshalb habe ich mir über die Jahre einen kleinen digitalen Werkzeugkasten zusammengestellt – sieben Apps, die ich mittlerweile ganz selbstverständlich nutze, bevor und während ich unterwegs bin. Manche kennt ihr vielleicht schon, andere sind echte Geheimtipps. Heute nehme ich euch mit durch meinen App-Ordner „Barrierefreiheit“ und erzähle euch ehrlich, was mir wirklich hilft – und wo ich mir noch mehr wünschen würde.

Wheelmap – die Klassikerin unter den Karten-Apps

Wheelmap war für mich der Einstieg in die Welt der barrierefreien Apps, und ich nutze sie bis heute regelmäßig. Das Prinzip ist herrlich simpel: Auf einer Weltkarte werden Orte nach dem Ampelsystem bewertet – Grün für komplett rollstuhlgerecht, Gelb für eingeschränkt, Rot für nicht barrierefrei. Cafés, Restaurants, Museen, Schwimmbäder, mittlerweile Millionen von Orten weltweit. Das Schöne daran: Es ist eine Community-App. Jede und jeder kann Orte eintragen und bewerten, ich mache das inzwischen auch immer wieder selbst, wenn ich unterwegs einen neuen Ort entdecke. Ein bisschen wie digitale Nachbarschaftshilfe für uns Rollifahrer:innen.

Nette Toilette – wenn’s mal schnell gehen muss

Diese App begleitet mich schon lange und ich habe auch schon öfter darüber geschrieben. Die „Nette Toilette“ zeigt Geschäfte, Cafés und öffentliche Einrichtungen, die ihre Toilette kostenlos zur Mitbenutzung freigeben – ganz ohne Konsumzwang. Für mich als Rollstuhlfahrerin ist das Gold wert, wenn ich unterwegs plötzlich merke: Jetzt, aber sofort! Nicht jede teilnehmende Toilette ist barrierefrei, das muss man leider dazusagen, aber die App filtert praktischerweise danach.

abilityX – die Neue mit Community-Power

abilityX war mir bis vor Kurzem noch kein Begriff, aber ich habe mich reingelesen und bin ziemlich angetan. Der Fokus liegt klar auf barrierefreien Toiletten, mit Filtermöglichkeiten wie Euroschlüssel-Zugang oder Eignung für Elektrorollstühle – Letzteres ist für mich mit meinem E-Fix besonders wichtig, denn nicht jede Behindertentoilette bietet genug Platz zum Rangieren. Was mir besonders gefällt: Community-Meldungen werden redaktionell geprüft, bevor sie live gehen. Das schafft Vertrauen, denn bei diesem Thema will ich mich auf die Angaben wirklich verlassen können.

easyklo.eu – der Alleskönner für den Euroschlüssel

Wenn es um den Euroschlüssel geht, führt an easyklo kaum ein Weg vorbei. Die App zeigt sowohl öffentliche als auch behindertengerechte Toiletten in Deutschland, Österreich und der Schweiz an – inklusive aller Standorte, die sich mit dem Euro-WC-Schlüssel öffnen lassen. Ich schätze besonders die Suchfunktion, mit der ich schon vor einem Ausflug checken kann, was mich vor Ort erwartet, statt erst in der Not zu suchen. Und als jemand mit Merkzeichen B weiß ich: Diese Art von Vorausplanung nimmt eine Menge Stress raus.

Eurokey.ch – die Schweizer Spezialistin

Auch wenn der Name ähnlich klingt wie easyklo, ist Eurokey.ch eine eigenständige App, betrieben von Pro Infirmis, der größten Schweizer Fachorganisation für Menschen mit Behinderung. Sie zeigt schweizweit Standorte mit Eurokey-Schließsystem an – nicht nur Toiletten, sondern auch Lifte, Hebebühnen und barrierefreie Umkleideräume. Für alle, die wie ich gerne auch mal in die Schweiz reisen, eine echte Ergänzung zu den deutschen Apps, weil sie einfach genauer auf die dortigen Gegebenheiten eingeht.

Access Earth – mein Blick über den Tellerrand

Access Earth ist mein Favorit, wenn es auf große Reisen außerhalb der DACH-Region geht. Die irische App versteht sich als eine Art barrierefreies Google Maps: Man gibt Ort, Kategorie (zum Beispiel Restaurant) und ein Kriterium wie „rollstuhlgerechtes WC“ ein und bekommt passende Treffer auf einer interaktiven Karte angezeigt. Ich mag den Gedanken dahinter total – dass Barrierefreiheit von Betroffenen selbst bewertet wird und nicht von Betreibern, die die eigentlichen Bedürfnisse oft gar nicht kennen. Ehrlich gesagt ist die Datendichte je nach Land noch ausbaufähig, aber gerade deshalb trage ich selbst gerne Orte ein, die ich besucht habe.

HandicapX – von Betroffenen für Betroffene (Disability)

Das blaue App-Symbol mit dem weißen Rollstuhl-Piktogramm dürfte einigen von euch bekannt vorkommen: HandicapX. Auch diese App dreht sich in erster Linie um barrierefreie Toiletten weltweit, inzwischen sind über 25.000 Standorte verzeichnet, Tendenz täglich steigend. Was mich besonders überzeugt: Die App wurde von Betroffenen für Betroffene entwickelt, ganz ohne Registrierungszwang, und zeigt zusätzlich an, ob ein Euroschlüssel nötig ist, ob es eine Notrufmöglichkeit gibt, automatische Türen vorhanden sind oder ob genug Platz für einen E-Rollstuhl bleibt. Genau diese Detailtiefe fehlt mir bei manch anderer App, deshalb hat HandicapX bei mir einen festen Platz im Ordner.

Mein Fazit: Kein Ersatz, aber eine riesige Erleichterung

Keine dieser Apps ist perfekt, und keine ersetzt die eigene Erfahrung vor Ort – das erlebe ich ja auch hier auf dem Blog immer wieder. Aber zusammen bilden sie ein Netz, das mir hilft, meine Reisen entspannter zu planen und weniger böse Überraschungen zu erleben. Mein Tipp: Probiert nicht alle sieben auf einmal aus, sondern startet mit ein, zwei Apps, die zu eurem Reisestil passen, und ergänzt nach und nach. Welche App nutzt ihr schon? Verratet es mir gerne in den Kommentaren!

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