Kennst du das? Du buchst ein Hotel, das sich „barrierefrei“ nennt – und stehst dann mit Rollstuhl vor einer Treppe ohne Rampe, einem Badezimmer, in dem der Rollstuhl gerade so durch die Tür passt (oder eben nicht), und einem Duschhocker, der aussieht, als hätte ihn jemand dort vergessen. Herzlichen Glückwunsch, das ist leider noch immer Realität in vielen deutschen und europäischen Hotels.
Ich, Sunny von sunnysworldtour.travel, reise mit Rollstuhl und einem sehr genauen Blick für das, was wirklich zählt. Nach vielen Reisen – guten wie weniger guten – habe ich mir meine persönliche Checkliste erarbeitet. 13 Punkte, 13 Fotos, 13 Fragen, die ich stelle, bevor ich buche, und die ich vor Ort immer dokumentiere.
Heute nehme ich euch mit auf meinen ganz persönlichen Barrierefreiheits-Rundgang durch ein Hotel. Schaut her – so geht’s!
📸 Foto 1 – Der Hoteleingang: Willkommen oder Hindernis?
Der erste Eindruck zählt – und zwar buchstäblich. Ein barrierefreier Hoteleingang hat keine Stufen, keine hohe Schwelle und ausreichend Platz, um bequem durchzufahren oder -zugehen. Idealerweise ist der Weg vom Parkplatz bis zur Tür eben, breit und gut beleuchtet. Wenn ich schon am Eingang kämpfen muss, frage ich mich: Was erwartet mich dann erst im Zimmer?
Meine Frage vorab: Gibt es einen stufenlosen Zugang zum Haupteingang?
📸 Foto 2 – Behindertenparkplatz direkt vor dem Hotel
Nah dran, breit genug, gut ausgeschildert – das ist, was ein echter Behindertenparkplatz leisten muss. Der hier liegt direkt vor dem Eingang. Kein langer Weg mit Gepäck, kein Umweg über Kopfsteinpflaster. So soll es sein.
Meine Frage vorab: Gibt es reservierte Parkplätze direkt am Haus, und wie viele?
📸 Foto 3 – Behindertenparkplatz in der Nähe
Manchmal liegt der nächste barrierefreie Parkplatz nicht direkt vor der Tür – sondern 50 oder 100 Meter entfernt. Für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl kann das schon ein echter Unterschied sein. Wichtig ist: Ist der Weg dorthin ebenfalls barrierefrei? Oder lauert dazwischen eine Bordsteinkante, die einem den Tag verderben kann?
Meine Frage vorab: Falls der Hotelparkplatz voll ist – gibt es eine barrierefreie Alternative in der Nähe?
📸 Foto 4 – Treppe UND Rampe: Beides vorhanden, aber wie ist die Rampe?
Dieses Foto sagt eigentlich alles. Ja, es gibt eine Rampe. Aber: Ist sie breit genug? Ist die Steigung wirklich befahrbar? Hat sie einen Handlauf? Ich habe schon Rampen gesehen, die so steil waren, dass ich sie mit dem EFix nur im Rückwärtsgang bewältigen konnte – und das mit mulmigem Gefühl. Eine Rampe ist kein Freifahrtschein für „barrierefrei“.
Meine Frage vorab: Wie steil ist die Rampe, und ist sie auch bei Nässe rutschfest?
📸 Foto 5 – Automatischer Türdrücker: Klein, aber oho!
Dieser kleine Knopf ist manchmal Gold wert. Wer selbstständig und mit vollen Händen (oder mit dem Rollator) eine schwere Hoteltür öffnen soll, weiß, wovon ich rede. Ein automatischer Türöffner macht den Unterschied zwischen „ich komme selbst rein“ und „ich muss warten, bis mir jemand die Tür aufhält“. Selbstständigkeit ist Würde.
Meine Frage vorab: Haben die Eingangstüren und Innentüren automatische Öffner?
📸 Foto 6 – Die automatische Tür: Wenn sie aufgeht, ohne dass ich etwas tue
Noch eine Stufe besser als der Knopf: Die Tür, die sich von selbst öffnet. Bewegungsmelder, Lichtschranke – egal wie, Hauptsache, sie öffnet rechtzeitig, weit genug und bleibt lang genug auf. Klingt selbstverständlich. Ist es leider nicht immer.
Meine Frage vorab: Wie breit öffnet die automatische Tür, und wie lange bleibt sie offen?
📸 Foto 7 – Der Aufzug: Mein treuer Begleiter auf Reisen
Ohne Aufzug kein barrierefreies Hotel – das ist für mich gesetzt. Aber nicht jeder Aufzug ist wirklich nutzbar. Die Kabine muss groß genug sein für Rollstuhl oder Rollator plus Begleitperson. Die Bedienelemente müssen erreichbar sein. Und die Türen? Müssen lange genug offen bleiben, damit man nicht eingeklemmt wird. Das klingt selbstverständlich – und ist es leider nicht immer.
Meine Frage vorab: Wie groß ist die Aufzugskabine (Breite × Tiefe), und in welcher Höhe befinden sich die Bedienelemente?
📸 Foto 8 – Die Zimmertür: Breit genug für mich?
Endlich im Korridor angekommen – und dann passt die Tür nicht. Das ist kein Witz, das ist Alltag. Die DIN-Norm empfiehlt mindestens 90 cm lichte Breite für barrierefreie Türen. Ich schaue außerdem auf den Türgriff (Hebel statt Knauf!) und darauf, ob die Tür leicht zu öffnen ist.
Meine Frage vorab: Wie breit ist die Zimmertür (lichte Weite)?
📸 Foto 9 – Duschstuhl und Haltegriffe: Das Herzstück des barrierefreien Bades
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Ein Duschstuhl muss stabil sein, die richtige Höhe haben und ausreichend Platz lassen, um ihn zu umfahren. Die Haltegriffe müssen dort sein, wo man sie braucht – nicht wo sie dem Innenarchitekten gut gefallen haben. Ich fotografiere das immer, weil ich es später im Bericht zeigen möchte: So sieht es wirklich aus.
Meine Frage vorab: Gibt es einen fest montierten Duschklappsitz und Haltegriffe auf beiden Seiten?
📸 Foto 10 – Die barrierefreie Dusche: Bodengleich, groß genug, ohne Barriere?
Eine bodengleiche Dusche ist das A und O. Keine Duschwanne, keine Schwelle, kein „kleiner Schritt“ – der für manche eben kein kleiner Schritt ist. Dazu: Ist die Dusche groß genug, um sich mit Hilfsmittel darin zu bewegen? Ist der Ablauf mittig oder an der Seite? Läuft das Wasser weg, ohne dass der halbe Boden nass wird?
Meine Frage vorab: Ist die Dusche wirklich schwellenlos, und wie groß ist die Fläche?
📸 Foto 11 – Das Waschbecken: Passt der Rollstuhl darunter?
Ein unterfahrbares Waschbecken klingt wie eine Kleinigkeit – ist aber für Rollstuhlfahrende das Entscheidende. Kein Schrank darunter, keine Säule, kein Siphon, der im Weg ist. Und die Armaturen? Am besten als Einhebelmischer oder berührungslos, damit man sie auch mit eingeschränkter Handkraft bedienen kann.
Meine Frage vorab: Ist das Waschbecken unterfahrbar, und auf welcher Höhe befindet es sich?
📸 Foto 12 – Haltegriffe bei der Toilette: Auf beiden Seiten?
Haltegriffe sind nicht gleich Haltegriffe. Entscheidend ist: Sind sie auf beiden Seiten vorhanden? Sind sie klappbar (damit man seitlich an die Toilette heranfahren kann)? Sind sie stabil genug, um das eigene Gewicht zu tragen? Ich teste das immer – höflich, aber gründlich.
Meine Frage vorab: Gibt es beidseitige, klappbare Haltegriffe neben der Toilette?
📸 Foto 13 – Das gesamte Bad: Genug Bewegungsfreiraum für den Rollstuhl?
Das letzte Bild – und das wichtigste. Denn selbst wenn alle Einzelpunkte stimmen: Wenn man im Bad nicht wenden kann, nützt das alles nichts. Der Wendekreis eines Rollstuhls beträgt in der Regel mindestens 150 cm. Ich schaue, ob Platz vor der Toilette ist, vor der Dusche, neben dem Waschbecken – und ob das Bad insgesamt so konzipiert ist, dass man sich darin frei bewegt und nicht jongliert.
Meine Frage vorab: Wie groß ist das Badezimmer, und gibt es ausreichend Bewegungsfläche (mind. 150 × 150 cm Wendefläche)?
Mein Fazit: Fragen kostet nichts – Schweigen kostet alles
Hotels, die sich „barrierefrei“ nennen, meinen damit sehr Unterschiedliches. Manche haben alles – andere haben nur einen Haltegriff irgendwo angebracht und nennen das dann „für unsere Gäste mit eingeschränkter Mobilität geeignet“. Nein danke.
Deshalb frage ich vorab. Immer. Diese 13 Punkte sind mein persönlicher Hotel-TÜV – und ich stelle sie, bevor ich buche, per E-Mail oder Telefon. Wer keine konkreten Antworten geben kann oder will, hat von mir keine Buchung.
Und wer antwortet, Fotos schickt und wirklich Bescheid weiß? Der bekommt eine loyale Gästin, die darüber schreibt. Versprochen. 😊
Habt ihr eigene Fragen, die ihr immer stellt? Schreibt sie mir in die Kommentare – ich bin gespannt, was auf eurer Checkliste steht!
Sunny von sunnysworldtour – barrierefrei unterwegs, ehrlich berichtet.













