Fünf Wochen Urlaub sind wie im Flug vergangen – und was für fünf Wochen! Wir haben 4 Länder bereist: Spanien, Portugal, Frankreich und über die Schweiz ging es zurück nach Hause.
Unsere Route führte uns entlang der Mittelmeerküste bis nach Granada, wo wir die atemberaubende Alhambra, UNESCO-Weltkulturerbe, besichtigt haben. Danach weiter nach Valencia und Barcelona, bevor wir in Frankreich in Avignon und Grenoble Station machten. Einen letzten Stopp legten wir am Genfer See in der Schweiz ein – natürlich mit Kamera bewaffnet, um die traumhaften Eindrücke festzuhalten.
Unterwegs haben wir in 3 Ferienwohnungen und 6 Hotels übernachtet. Besonders die zweite Ferienwohnung in Grade, in der Nähe des Naturparks Penedès, war ein Traum: die Gastgeber Maria und Fernando sind herzliche Menschen, die uns sogar durch den Park geführt haben. Mit ihnen haben wir wunderbare Momente erlebt – wir werden Freunde bleiben.
Trotz Rollstuhl war die Reise wunderbar machbar – ich konnte alles erleben, sehen und genießen!
Wir haben zahlreiche Restaurants besucht, Städte erkundet, Strände genossen, Weltkulturerbe-Stätten bewundert, Festungen erklommen und Klippen bestaunt. Unterwegs haben wir auch immer wieder geprüft: Was ist barrierefrei, rollstuhlgerecht oder vielleicht eine kleine Herausforderung?
Demnächst wird es hier auf meinem Blog alles ausführlich mit vielen Fotos geben. Für erste Eindrücke findet ihr kurze Zusammenfassungen auf Instagram, TikTok und Pinterest. Ab Winter startet dann auch mein YouTube-Kanal, auf dem die Reise lebendig erzählt wird.
Bleibt dran – es war eine unvergessliche Tour, und ich freue mich darauf, all die Geschichten, Tipps und Fotos mit euch zu teilen!
Ich, voller Abenteuerlust, Neugier und Lebensfreude, setze meine Europareise fort. Hinter mir liegen unvergessliche Tage: 8 erfrischende, windumtoste Tage an der rauen Atlantikküste Frankreichs, 7 ruhige, naturverbundene Tage nahe des Nationalparks Pedra Bela und 12 sonnendurchflutete, lebendige Tage in Lagos an der Algarve.
Nun habe ich die spanische Grenze überquert und bin im faszinierenden Andalusien, genauer gesagt in Granada, angekommen. Ich bin gespannt, welche Überraschungen, Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Erlebnisse hier auf mich warten. Schon unterwegs fiel mir die schier endlose Weite der Olivenhaine auf. Bei meiner Recherche erfuhr ich: Andalusien ist das größte Olivenanbaugebiet der Welt und liefert nicht nur den Großteil des spanischen, sondern auch des weltweiten Olivenöls. Das macht mich neugierig – ich werde wohl durch die Stadt bummeln und das goldene „flüssige Gold“ verkosten müssen.
Morgen früh wache ich an einem ganz besonderen Ort auf: in einem mittelalterlichen Kloster voller historischer Atmosphäre, mystischem Charme und spiritueller Ruhe – und doch mit dem Komfort des 21. Jahrhunderts. Mein Hotel, das Macià Monasterio de los Basilios, liegt in einer einzigartigen Enklave direkt neben der römischen Brücke über den Fluss Genil. Ein perfekter Mix aus Geschichte, Kultur und moderner Gastfreundschaft.
Natürlich frage ich mich überall: Ist es barrierefrei? Ist es barrierearm? Ist es rollstuhlgerecht? Diese Fragen begleiten mich auf meiner Reise, denn Reisen bedeutet für mich nicht nur Entdecken und Genießen, sondern auch Inklusion, Teilhabe und das Gefühl, überall willkommen zu sein – egal ob am Strand, in einer Ferienwohnung, in einem Restaurant, in einer Burg oder auf einem städtischen Platz.
Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Unfall so ausbremsen würde. Im Oktober 2023 brach ich mir in Varna den Oberschenkel. Mit meiner Muskeldystrophie Bethlem war das eine besonders harte Zeit – laufen konnte ich ohnehin nur noch kurze Strecken, doch nach dem Bruch war plötzlich fast nichts mehr möglich. Monatelang lag und saß ich auf der Couch, wartete darauf, dass der Schmerz nachlässt, dass die Knochen heilen. Ich fühlte mich gefangen in meinem Körper.
Aber Reisen ist für mich mehr als nur Urlaub. Reisen bedeutet, am Leben teilzunehmen. Also habe ich im Juli mein Auto gepackt, den Rollstuhl in den Kofferraum gestellt und bin losgefahren – zurück ins Leben.
Portugal – ein Land, das Herzen öffnet
Nach ein paar Tagen an der Atlantikküste Frankreichs erreichte ich Portugal. Und was soll ich sagen: Dieses Land hat mein Herz erobert. Dort begegnete mir die Familie Fernando und Maria – so herzlich, so offen, als würden wir uns schon lange kennen.
Im Supermarkt wurde ich freundlich zur nächsten freien Kasse geleitet. Am Zebrastreifen hielten die Autos sofort. Am Strand und in Restaurants fragten Menschen von sich aus, ob sie helfen können. Nicht aus Mitleid, sondern aus echter Herzlichkeit.
Ein Moment bleibt mir besonders im Herzen: In Lagos am Hafen traf ich einen Straßenkünstler, verkleidet als Charlie Chaplin. Ich legte ihm zwei Euro in den Hut, er aber lief mir nach und sagte: „No, no… I respect you.“ – Ich habe selten so viel Menschlichkeit gespürt.
Ebenfalls begeistert hat mich Renato in Monte Clérigo, einem Strandabschnitt in der Nähe von Aljezur. Er ist Sportler, studierter Sportwissenschaftler, Surflehrer und gleichzeitig Bademeister – und er spricht hervorragend Deutsch. Bei ihm konnten wir uns die WaterWheels, einen speziellen Strandrollstuhl, ausleihen. Dadurch war es mir möglich, direkt ans Wasser zu gelangen. Renato war nicht nur professionell, sondern auch unglaublich freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend. Mehrmals suchte er das Gespräch mit mir und vermittelte das Gefühl, wirklich willkommen zu sein.
Auch kulturell hatte Portugal viel zu bieten. Besonders in Erinnerung bleibt mir der Besuch der Fortaleza de Sagres, der berühmten Festung am südwestlichsten Punkt Europas. Obwohl ich in der Schlange stand, kam der Kassierer sofort zu mir, bat mich nach vorne, organisierte ein Ticket und öffnete ein großes Tor elektrisch, damit meine Begleitung und ich problemlos hinein konnten. Auf meine Frage nach dem Eintrittsgeld lächelte er nur und meinte: „No.“ – kostenloser Eintritt. Eine kleine Geste, aber für mich ein großes Stück Menschlichkeit.
Portugal hat mir gezeigt: Barrierefreiheit bedeutet nicht nur Rampen und Aufzüge. Es bedeutet auch offene Herzen, Respekt und gelebte Inklusion. Dieses Land hat mir das Gefühl gegeben, nicht am Rand zu stehen, sondern mitten im Leben zu sein.
Heute starte ich mein inklusives Sommerabenteuer – ab ins Auto und los!
Mich erwarten in den nächsten Wochen viele neue Eindrücke – ich werde Strände, Städte, Schlösser, Burgen, Festungen, Restaurants und Sehenswürdigkeiten in Frankreich , Portugal und vielleicht auch Spanien besuchen – und das alles mit einem besonderen Blick:
Wie barrierefrei ist Europa wirklich für Menschen mit Handicap? Wo gibt es barrierearme Altstädte, rollstuhlgerechte Strandabschnitte oder auch mal Hindernisse, die es zu überwinden gilt? Ich nehme euch mit – von der Autobahnraststätte bis zur Festung am Meer, von Kopfsteinpflaster bis Kulturgenuss.
Jetzt geht’s los – die Kamera ist bereit, der Akku voll & die Reiselust grenzenlos! Nach dem Urlaub folgen wie immer viele Berichte auf meinem Blog sunnysworldtravelblog – authentisch, kritisch, inklusiv.
🚦 Vorsicht, Stolperstein! Wenn Kopfsteinpflaster zur Herausforderung wird – mein inklusiver Rundgang durch Melsungen
Melsungen – ein Fachwerktraum mit Hindernissen
Melsungen stand schon lange auf meiner Liste der historischen Altstädte, die ich als Rollstuhlfahrerin erleben wollte – mit all ihrem Charme, Fachwerk, Geschichte… und Kopfsteinpflaster. Ich parkte an der Sandstraße, ganz in der Nähe zur Fulda – hier beginnt das historische Herz der Stadt.
💡 Besonders lobenswert: Die Stadt stellt eine barrierefreundliche PDF mit Behindertenparkplätzen zur Verfügung. Endlich mal eine Kommune, die mitdenkt! Ich nutzte einen der ausgewiesenen Stellplätze und rollte los – mit meinem efix-Elektrorollstuhl, allerdings nicht ohne Begleitung. Denn das Kopfsteinpflaster? Uneben, unterschiedlich hoch und mitunter ein echtes Training für Mensch und Maschine.
🌉 Die Bartenwetzerbrücke – Brücke mit Geschichte und Aussicht
Mein erstes Ziel war die imposante Bartenwetzerbrücke aus dem Jahr 1596. Diese massive Steinbrücke überspannt die Fulda majestätisch und bietet einen wundervollen Ausblick auf das grün umsäumte Flussufer und das bunte Fachwerkpanorama der Altstadt. Der Name stammt übrigens von den „Bartenwetzer“, den früheren Waldarbeitern, die hier ihre Äxte (Barten) schärften – faszinierend!
Der Zugang zur Brücke ist zwar relativ flach, jedoch nicht durchgehend barrierefrei – kleine Kanten und Übergänge verlangen Aufmerksamkeit und ggf. Unterstützung.
🏘️ Fachwerkträume mit kleinen Stolpersteinen
Von der Brücke führte mein Weg weiter über die Brückenstraße, vorbei an urigen Plätzen, alten Toren und gemütlichen Cafés. Besonders ins Auge fiel mir das prächtige Rathaus, das zwischen 1562 und 1568 im Stil der Spätrenaissance nach einem Brand neu errichtet wurde – rot gestrichen, stolz und wunderschön restauriert. Für mich als Architektur-Fan ein absolutes Highlight!
Die gesamte Altstadt ist ein wahres Fachwerkmuseum unter freiem Himmel: bunt, charmant, historisch – aber für Menschen mit Handicap nicht ohne Herausforderungen. Das Kopfsteinpflaster ist allgegenwärtig. Selbst mit E-Antrieb blieb ich öfter hängen und war froh, dass meine Begleitung unterstützend eingreifen konnte.
🚻 Gut zu wissen – barrierefreie Toilette mit Euroschlüssel
Wer länger unterwegs ist, freut sich über folgende Info: Hinter dem Rathaus (Am Markt 1) gibt es eine barrierefreie Toilette, die mit dem Euroschlüssel geöffnet werden kann – sauber, großzügig, funktional. Punkt für Melsungen!
🐥 Gänseliesl und kulinarische Altstadtmomente
An der Kasseler Straße trifft man auf die liebevoll gestaltete Figur der „Gänseliesl“, die an das Grimm’sche Märchen erinnert. Ein schönes Fotomotiv – aber Achtung: Der Weg dorthin ist wieder gepflastert und teilweise schräg. Entlang der Straßen laden Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Viele davon haben Außengastronomie auf flachen Zonen, was für Rollstuhlfahrende angenehm ist – aber Innenräume sind nicht immer zugänglich, also vorher unbedingt prüfen.
🧭 Fazit – barrierearm mit Einschränkungen, aber kulturell ein Juwel
Melsungen ist ein romantisches Fachwerkparadies, das mich architektonisch begeistert hat – aber das Thema Inklusion ist noch ausbaufähig. Kopfsteinpflaster, Bordsteine ohne Absenkungen und schwer erreichbare Läden und Lokale zeigen, dass es trotz aller Schönheit noch einiges zu tun gibt. Trotzdem: Mit Vorbereitung, Begleitung und etwas Geduld lässt sich auch als Rollstuhlfahrerin ein schöner Tag in Melsungen verbringen.
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Kopfsteinpflaster, Kies und keine Krone – mein barrierearmer Besuch in Melsungen
Wenn ich durch eine Altstadt wie Melsungen rolle, kribbelt es in mir: Vielleicht ein Schloss, eine Burg, ein Stück Architekturgeschichte, das mich begeistert? Also habe ich natürlich gleich recherchiert – und ja, Melsungen hat tatsächlich ein Schloss im Stil der späten Weserrenaissance. Da musste ich hin!
Schon beim Ankommen am Ende der Kasseler Straße erkennt man: Das Schloss Melsungen liegt zentral, fast unscheinbar eingebettet in den Stadtkern. Und genau das war mein erster Eindruck: unscheinbar.
Ich bin ehrlich – als Fan von prachtvollen Schlossanlagen, Zinnen, Toren, Türmen und verzierten Fassaden war ich ein wenig enttäuscht. Das Schloss sieht gar nicht aus wie ein Schloss, eher wie ein etwas nüchternes Amtsgebäude. Trist, farblos, ohne Blumen, ohne Prunk – für mich persönlich fehlte der Glanz, den ich sonst so an historischen Bauwerken liebe.
Eine kleine Zeitreise – mit Stolperkanten
Das Schloss stammt aus der späten Weserrenaissance und diente früher als Sitz für Verwaltung und Gerichtsbarkeit. Man erkennt noch die klaren Linien und den typischen Stil, aber es fehlt an Atmosphäre – zumindest für mich als Besucher*in mit romantischer Schloss-Fantasie.
Vor dem Schloss: wie so oft – Kopfsteinpflaster, uneben, grob, anstrengend. Für mich als Rollstuhlfahrerin eine Herausforderung. Gehbehinderte oder Rollatornutzer*innen sollten sich auf kleine Hürden einstellen. Ohne Begleitung wäre es für mich nicht möglich gewesen, dort entspannt anzukommen.
Durch ein Tor hindurch gelangt man in den angrenzenden Englischen Garten – ein hübscher kleiner Park mit altem Baumbestand, einem Teich und Überresten der Stadtmauer. Der Weg dorthin führt allerdings über einen Kieselweg, der für Rollstühle schwierig, aber mit Hilfe passierbar ist.
Der Garten: grün, ruhig, aber ausbaufähig
Der Garten selbst hat Potenzial: klein, ruhig, einladend für eine kurze Pause – aber: blühende Pflanzen fehlen, farbliche Akzente sucht man vergeblich. Hier wünsche ich mir einfach mehr Pflege, mehr Farbe, mehr Aufenthaltsqualität – auch für Menschen mit Handicap, die sich nach einem barrierearmen Rückzugsort sehnen.
Mein persönliches Fazit:
Ich wollte ein Schloss entdecken, wurde aber eher an ein Verwaltungsgebäude erinnert. Für Menschen mit Behinderung ist das Schlossumfeld nicht ideal: unebene Pflaster, kein rollstuhlgerechter Zugang zum Inneren (soweit ersichtlich), wenig einladende Sitzmöglichkeiten.
Die Stadt Melsungen hat an vielen Stellen Altstadt-Charme – aber hier fehlt es an inklusiver Gestaltung, an Blüten für die Augen und an kleinen Dingen, die aus einem historischen Ort ein barrierefreies Erlebnis machen.
Schloss Melsungen, barrierefrei?Schloss Melsungen, rollstuhlgerecht?
Souvlaki, Sehnsucht & Stolperkanten: Mein rollendes Erlebnis im Dionysos Melsungen
Bei meinem Altstadtspaziergang durch das charmante Fachwerkidyll Melsungen stieß ich in einer schmalen Seitengasse auf eine urige, einladende Taverne: das DIONYSOS, ein griechisches Restaurant in der Oberen Steingasse 9, eingebettet in ein wunderschönes, altes Fachwerkhaus. Ich liebe solche Orte – sie versprechen oft genau das, was ich suche: Charme, Geschichte und gutes Essen.
Die Temperaturen waren mild, der Duft von frisch Gegrilltem lag in der Luft – und die Tische draußen in der Gasse wirkten einfach gemütlich: Decken über den Stuhllehnen, Sitzpolster, ein bisschen wie ein Kurzurlaub auf dem Balkan mitten in Nordhessen.
Also: Ich habe nicht lange gezögert und mich mit meiner Begleitung spontan zum Essen im Freien niedergelassen. Barrierefrei? Nicht ganz – aber draußen war es für mich als Rollstuhlfahrerin ideal.
Stufen, Stimmungen & Service mit Seele
Der Eingang ins Restaurant selbst? Leider nicht barrierefrei. Eine relativ hohe Holzstufe verhindert den ebenerdigen Zugang. Rollatornutzerinnen, Gehbehinderte und Rollstuhlfahrerinnen können hier nur mit Hilfe hinein. Ein mobiler Eingangsrampen-Service wäre hier wünschenswert – vielleicht sogar leicht umsetzbar.
Dass das Haus über mehrere Etagen geht, war von außen klar – aber mein Verdacht bestätigte sich: Die Toiletten befinden sich im Keller, ebenfalls nicht rollstuhlgerecht. Für mich also: Keine Nutzung möglich.
Schade, denn das Innere des Lokals wirkt – wie ich von meiner Begleitung hörte – gemütlich, authentisch und liebevoll dekoriert, mit einem Hauch griechischer Wärme.
Kulinarisch? Ein Volltreffer!
Was das Essen angeht, war ich rundum begeistert:
Zartes Fleisch, perfekt gewürzt
Aromatische Beilagen
Frisches Brot
Und dazu: griechische Musik und Trinksprüche, wie ich sie aus dem Urlaub kenne
Das Personal war freundlich, herzlich und hilfsbereit – und obwohl die Barriere am Eingang bestand, hatte ich draußen nie das Gefühl, „außen vor“ zu sein. Inklusion lebt vom Umgang – und der war hier vorbildlich.
Mein Fazit:
Ein kulinarisches Highlight mit echtem Inklusionspotenzial. Wer wie ich auf barrierearme Orte angewiesen ist, kann draußen wunderbar speisen, sollte aber Toilettenzugang einplanen. Ein kleiner Hinweis auf der Website oder ein mobiler Rampenservice würden aus einem tollen Restaurant ein inklusives Vorzeigeprojekt machen.
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Zwischen Prachtbauten, Parkidylle und Potenzial – Mein Rollstuhlcheck durch die Kurstadt
Ich liebe alte Städte. Besonders die, die sich ihren historischen Flair bewahren – nicht nur als Kulisse, sondern als gelebte Kultur. Bad Pyrmont stand bei meiner letzten Tour auf dem Plan. Eine traditionsreiche Kurstadt in Niedersachsen, eingebettet zwischen Parkanlagen, barocken Bauten und einem Hauch von einstigem Glanz. Doch wie sieht es hier aus für uns Menschen mit Handicap?
Mein Blick auf Städte ist immer doppelt: Architektur & Atmosphäre – ja! Aber eben auch: Wie rollt es sich durch die Altstadt? Gibt es Behindertentoiletten? Komme ich alleine zurecht oder brauche ich ständig Hilfe?
Erste Eindrücke: Weiß, weitläufig, barrierearm – aber mit Stolperfallen
Die weißen Fassaden der Kurgebäude, die historischen Villen aus der Weserrenaissance, barocke Einflüsse und prachtvolle Alleen machen sofort Eindruck. Bad Pyrmont hat Stil, ohne aufgesetzt zu wirken. Besonders die Hauptallee, der Kaiserplatz und die Straßen rund um den Kurpark wirken großzügig, gepflegt und zumindest barrierearm.
Ich bin mit dem Rollstuhl unterwegs gewesen – und ja, es ist möglich, sich selbstständig durch die Stadt zu bewegen. Auch wenn – wie so oft – das Kopfsteinpflaster einem das Leben nicht immer leicht macht. Vor allem im historischen Bereich rumpelt und wackelt es ordentlich. Hier wünsche ich mir, dass Städte eine Alternative für Rollstuhlfahrer*innen schaffen, z. B. glatte Randstreifen oder parallel verlaufende, feste Wege.
Historischer Rundgang – Geschichte zum Rollen
Der ausgeschilderte Historische Stadtrundgang ist eine echte Empfehlung. Er verknüpft Geschichte mit Bewegung – und ist erfreulich barrierearm gestaltet. Infotafeln, breite Wege und gute Orientierung ermöglichen es auch mobilitätseingeschränkten Menschen, die Stadt zu entdecken.
Wenn man sich einmal in die Kurtradition ab 1556 hineinfühlt – mit 10.000 Menschen, die damals nach Pyrmont pilgerten, um von der „Wunderquelle“ Heilung zu finden – bekommt man Gänsehaut. Heilung, Hoffnung, Gesundheit – das war schon damals ein zentraler Gedanke dieser Stadt. Umso wichtiger, dass sie heute auch inklusive Wege für moderne Kurgäste anbietet.
Stadtrundfahrt mit Lift – große Pluspunkte für Inklusion!
Ein echtes Highlight war für mich die Möglichkeit, die Stadt barrierefrei per Bus zu erleben. Die Busse haben eine Hebebühne für Rollstühle und Rollatoren – da könnten sich viele andere Städte ein Beispiel dran nehmen. Sightseeing mit Komfort und Würde – so soll es sein!
Toiletten, Parken & Leerstand – wo noch Luft nach oben ist
Es gibt eine Behindertentoilette hinter der Tourist-Info, aber: klein, etwas zu eng und bei meinem Besuch nicht besonders sauber. Außerdem: Die Zahl der Behindertenparkplätze ist verbesserungswürdig – gerade am Europaplatz, wo Bedarf besteht, könnte man mehr Flächen ausweisen.
Etwas wehmütig machte mich, dass viele Läden leerstanden und das städtische Leben nicht so pulsierte wie erwartet. Der einstige Glanz des Kurorts scheint ein wenig zu verblassen – dabei hat diese Stadt so viel Potenzial. Vielleicht könnte genau Inklusion und barrierefreier Tourismus ein neuer Aufschwung sein?
Positivbeispiel: Digitale Hilfe für Menschen mit Behinderung
Großes Lob verdient der digitale „Wegweiser für Menschen mit Behinderungen“, den die Stadt online bereitstellt. Übersichtlich, informativ, hilfreich – so etwas sollte Standard in jeder Stadt sein!
🧭 Mein Fazit:
Bad Pyrmont ist schön, traditionsreich und barrierearm – aber nicht überall barrierefrei. Für Rollstuhlfahrer*innen mit etwas Kraft und einer guten Begleitperson ist die Stadt gut zu erkunden. Die Kombination aus geschichtsträchtiger Architektur, gepflegten Grünanlagen und freundlichem Stadtbild macht den Besuch lohnenswert. Mit ein paar Verbesserungen im Detail könnte Bad Pyrmont zu einem echten Vorreiter in Sachen Inklusion werden.
Kultur, Kiesel & Kopfsteinpflaster – Inklusion mit kleinen Hindernissen
Wenn man – so wie ich – Schlösser, Burgen, verwinkelte Altstädte und historische Architektur liebt, dann ist das Schloss Bad Pyrmont ein echtes Highlight. Das prachtvolle Gebäude mitten in der Kurstadt hat Geschichte, Charakter – und leider auch einige barrierebedingte Hürden. Aber ich nehme euch mit auf meine ganz persönliche Schlossbesichtigung mit meinem Efix-Rollstuhl.
Geparkt habe ich auf einem gut gelegenen Behindertenparkplatz direkt am Schlossplatz. Von dort rollte ich über die Straße – kein Problem – und über eine Brücke auf das Schloss zu. Und wie es bei historischen Orten leider oft der Fall ist: Das Kopfsteinpflaster begrüßte mich gleich mit ordentlich Rüttelwirkung. Die Pflastersteine sind uneben, hoch, alt – charmant, aber definitiv nicht rollstuhlfreundlich.
Ich bin ganz realistisch: Die Erhaltung historischer Bausubstanz ist wichtig. Ich will keine glatten Asphaltwege in einem Renaissance-Schloss. Aber: Inklusion darf nicht auf der Strecke bleiben. Vielleicht finden sich noch Lösungen, die beides verbinden.
Ein Hauch von Märchen – mit steilen Herausforderungen
Das Schloss selbst wurde im 16. Jahrhundert von den Grafen von Spiegelberg erbaut, auf einer früheren Festungsinsel. Die Bauweise im Stil der Weserrenaissance beeindruckt durch ihre Symmetrie, Details und das wunderschöne Ensemble aus Brücke, Innenhof und geschwungenen Treppen.
Im Innenhof führt ein Weg bergauf zu einer oberen Terrasse. Für alle mit Handicap gilt hier: Bitte nicht alleine hochfahren! Mein Rollstuhl kippte auf dem Rückweg beinahe zur Seite, weil der Weg steil und der Untergrund rutschig war. Ohne meine Begleitung hätte ich diesen Teil nicht sicher bewältigen können. Wer mit Rollator oder zu Fuß unterwegs ist, braucht hier wirklich Trittsicherheit und Hilfe.
Oben angekommen gibt es ein nettes kleines Café – aber leider mit Stufen am Eingang. Ein Lift wäre ein Traum, doch aktuell bleibt dieser Teil für viele von uns unzugänglich. Das ist schade, denn der Ausblick über den Kurpark bis hin zum Palmgarten ist traumhaft.
Wo es klappt – und wo man nachbessern könnte
Im Schloss selbst wurde immerhin ein Fahrstuhl eingebaut – das ist ein klares Plus für Inklusion. Im ersten Stock gibt es ein Museum (Eintritt erforderlich), das ich bequem erreichen konnte. Auch wenn nicht alle Räume ideal gestaltet sind, zeigt sich hier, dass Barrierefreiheit und Denkmalschutz sich nicht ausschließen müssen.
Die öffentlichen Veranstaltungen im Schlosshof (z. B. Konzerte oder Theater im Sommer) sind ein schöner Bonus – allerdings hängt die Zugänglichkeit stark vom Aufbau ab.
Gut zu wissen: Eine Behindertentoilette befindet sich im Nebengebäude – bitte den Euro-Schlüssel mitnehmen!
🧭 Mein Fazit:
Ein wunderschönes Schloss mit viel Historie, architektonischem Charme und eindrucksvollen Perspektiven – aber mit deutlichen Einschränkungen für Menschen mit Handicap. Der Besuch lohnt sich trotzdem, wenn man eine helfende Begleitung dabei hat und weiß, was einen erwartet. Mit etwas mehr Einsatz für Inklusion wäre das Schloss ein echtes Vorbild.
Schloss Bad Pyrmont, barrierefrei?rollstuhlgerecht zum Schloss Bad Pyrmont?Steinbrücke zum SchlossBehindertentoilette
Mein Tag im ältesten Kurpark Deutschlands mit dem Rollstuhl
Der Palmengarten im Kurpark Bad Pyrmont war mein Ziel an einem sonnigen Tag – und ich wurde nicht enttäuscht. Geparkt habe ich direkt auf einem der Behindertenparkplätze am Schlossplatz. Von dort musste ich nur die Straße überqueren und bin dann mit dem Rollstuhl auf dem Bürgersteig gemütlich bis zum Haupteingang des Kurparks an der Heiligenangerstraße 9–11 gerollt – dem sogenannten Brandenburger Tor.
An der Kasse gab es keine Ermäßigung, aber mit dem Eintrag „B“ im Schwerbehindertenausweis konnte meine Begleitperson kostenlos mit. Der Eintritt für mich betrug 6 Euro – dafür bekommt man Zugang zu einem der schönsten Kurparks, die ich bisher gesehen habe. Einen Plan mit allen Highlights gab es direkt an der Kasse – sehr hilfreich, um sich auf dem weitläufigen Gelände zurechtzufinden.
Schon der erste Eindruck war beeindruckend: alles ist sauber, gepflegt und liebevoll gestaltet. Die Wege – auch im Bereich des Palmengartens – sind breit, eben und gut befahrbar. Lediglich die Schwingtore an den drei digitalen Eingängen waren eine kleine Herausforderung. Ich habe mir dort Hilfe geholt und konnte so durch ein normales Tor in den Park gelangen.
Der Palmengarten selbst ist eine grüne Oase mit Palmen, duftenden Blüten, alten Bäumen und schattigen Alleen. Überall finden sich Sitzbänke, sogar in kleinen „Höhlen“, Themenbereiche laden zum Entdecken ein, und Skulpturen machen den Spaziergang auch kulturell spannend. Besonders gut gefallen hat mir der Barfußpfad – auch wenn ich ihn als Rollstuhlfahrerin natürlich nicht selbst nutzen konnte, fand ich ihn eine tolle Idee für Besucher, die barfuß gehen möchten.
Der Blick vom Palmengarten zur Schlossinsel – einfach traumhaft! Wir haben zwischendurch im Teehaus einen sehr guten Tee getrunken, später noch ein Bierchen genossen. Das gehört für mich zum Kurparkerlebnis genauso dazu wie das bewusste Entschleunigen.
Ein Hinweis aus meiner Erfahrung: Wer mit Rollator oder Rollstuhl unterwegs ist, sollte auf einen stabilen Untergrund achten – manche Bereiche haben Kies, wo man leicht umknicken kann. Für Rollstuhlfahrer*innen ist der Park grundsätzlich sehr gut nutzbar, aber eine Begleitperson dabei zu haben, ist empfehlenswert.
Stunde um Stunde verging wie im Flug – und ich habe mich selten so wohl und eingebettet in die Natur gefühlt wie hier. Der Kurpark ist kein „schnell mal durchlaufen“-Ort. Er lädt ein zum Verweilen, Entdecken und Genießen – mit oder ohne Handicap.
Eingang Palmgarten Bad PyrmontBarrierefrei durch den Palmgarten Bad Pyrmont