** Mit Rollstuhl auf den Spuren der Herzöge – Mein ehrliches Abenteuer im imposanten Schloss Celle** – imposante Fassade, karge Pracht


**Eine Zeitreise durch die prächtige Geschichte der Welfen**


Schon von Weitem kündigt sich das Schloss Celle mit seiner beeindruckenden vierflügeligen Anlage an – die größte ihrer Art in der gesamten Region der südlichen Lüneburger Heide. Ich war gespannt, welche Geschichten diese imposanten Mauern wohl zu erzählen haben, und machte mich auf den Weg in die Altstadt.

Am Anfang der Altstadt, in der Straße mit dem klangvollen Namen Stechbahn, fand ich einen Behindertenparkplatz – ein unkomplizierter und praktischer Start in einen Tag voller Geschichte. Über eine Ampel und die kleine Brücke, die über den Schlossgraben führt, näherte ich mich dem stattlichen Gebäude, das mir mit jedem Meter ehrfurchtgebietender erschien.

In dem doch eher kleinen Innenhof empfing mich holpriges, aber charakteristisches Kopfsteinpflaster – hier war offensichtlich gerade eine große Bühne mit Bänken, Stühlen und Tischen für eine Veranstaltung aufgebaut, was der historischen Kulisse einen lebendigen, fast schon festlichen Anstrich verlieh.

Durch das wuchtige Schlosstor betrat ich schließlich das Innere, wo mich zunächst ein modern umgebauter Trakt erwartete. Eine Treppe führte hinunter zu den Toiletten, doch zum Glück gibt es auch einen Aufzug, mit dem ich barrierefrei in den Keller und zu einer Behindertentoilette gelangen konnte. Insgesamt ließen sich zwei Etagen mit dem Aufzug bequem erkunden – ein Detail, das ich sehr zu schätzen wusste.

Im Inneren des Schlosses selbst sind zahlreiche Räume und Säle aus den unterschiedlichsten Bauphasen erhalten geblieben, ein wahrhaft eindrucksvolles Zeugnis wechselnder Epochen. Unter Herzog Georg Wilhelm wurden einst prachtvolle barocke Staatsräume eingerichtet, die bis heute besichtigt werden können. In der Gotischen Halle finden mittlerweile wechselnde Ausstellungen statt, während im Ostflügel das 2007 neu eröffnete Residenzmuseum die faszinierende Geschichte der Welfen und des Königreichs Hannover lebendig werden lässt. Die historischen Schlossräume wurden zwischen 1978 und 1981 aufwendig restauriert und lassen sich, ebenso wie die Schlosskapelle, im Rahmen einer Führung besichtigen.

So imposant die Räume von außen wirken, so ernüchternd war für mich leider der Blick ins Detail: Bis auf die Nebenküche und die Kapelle sind die Räume fast ausschließlich mit Gemälden ausgestattet und weitestgehend unmöbliert. Selbst die einst so prunkvollen barocken Staatsräume wirken heute schlicht und kalt, es mangelt spürbar an wirklich interessanten Exponaten. Der Einblick in das einstige Leben der Schlossherren bleibt dadurch, wie ich finde, erstaunlich eingeschränkt – ein bisschen, als würde man ein Buch nur am Einband bewundern dürfen, ohne je hineinlesen zu können.

Ein echter Höhepunkt war für mich hingegen der Blick vom Schloss über die Stadt Celle – ein Panorama, das die Mühen des Rundgangs mehr als entschädigte.

Rund um das Schloss führt ein Rundweg, der teils über gut verlegte, großzügige Pflastersteine und teils über etwas holprigeren Schotter verläuft. Vorbei am Französischen Garten und dem malerischen Schlossgraben mit seinem kleinen Teich lädt die gepflegte, historisch bedeutsame Anlage zu einem ruhigen, erholsamen Spaziergang ein. Besonders die Umgebung strahlt eine wohltuende Stille aus, viel Grün und zahlreiche stattliche Bäume säumen den Weg – blühende Pflanzen suchte ich allerdings vergeblich, was ich mir zu einer anderen Jahreszeit definitiv schöner vorstellen könnte.

Wer sich für die konservatorisch besonders wertvolle Schlosskapelle und die historische Schlossküche interessiert, kommt nur im Rahmen einer Führung hinein. Den Rest des Museums kann man jedoch ganz eigenständig und in seinem eigenen Tempo erkunden – für mich mit dem E-Fix ein durchaus angenehmer Aspekt.

Fazit: Das Schloss Celle besticht durch seine imposante Architektur, seine bewegte Geschichte und die weitläufige, gepflegte Parkanlage drumherum. Wer allerdings auf eine reich möblierte, lebendige Zeitreise hofft, wird von der doch recht kargen Ausstattung der Innenräume etwas enttäuscht sein. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ist das Schloss dank Aufzug und Behindertentoilette größtenteils gut zugänglich, wenn auch nicht durchgehend barrierefrei – ich würde es als solide barrierearm einstufen.

⭐ Barrierefreiheits-Check auf einen Blick

KategorieBewertungKommentar
Parken⭐⭐⭐Behindertenparkplatz direkt an der Stechbahn
Wege⭐⭐Innenhof mit Kopfsteinpflaster, Rundweg teils Schotter
Toilette⭐⭐⭐Behindertentoilette im Keller, bequem per Aufzug erreichbar
Sehenswürdigkeiten⭐⭐Beeindruckende Architektur, aber unmöbliert und exponatarm
Gesamteindruck⭐⭐Historisch spannend, barrierearm, aber inhaltlich ausbaufähig

⭐ = eingeschränkt | ⭐⭐ = in Ordnung | ⭐⭐⭐ = sehr gut

Adresse: Schloss Celle Stechbahn 29221 Celle


 

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