Zwischen Heidekraut und Himmel: Mit dem Rollstuhl auf dem Goldenen Pfad
Manche Landschaften muss man einfach mit eigenen Rädern erobert haben – die Niedersfelder Hochheide gehört für mich definitiv dazu. Weites Heideland, ein rauer Wind und ein Weg, der einiges an Fahrgeschick verlangt: Hier nehme ich euch mit auf meine Tour über den Goldenen Pfad.
Anfahrt und Wege
Die Anfahrt beginnt auf einer schmalen, geteerten Straße, die nach einer Weile in einen groben Schotterweg übergeht. Wer möchte, kann bis zur Schranke fahren – dort gibt es Parkplätze, allerdings keinen ausgewiesenen Behindertenparkplatz. Das ist schade, denn gerade für Rollstuhlfahrer wäre ein reservierter Platz an dieser Stelle eine echte Erleichterung.
Mit meinem Efix-Zuggerät kam ich seitlich an der Schranke vorbei, ohne größere Umstände. Von dort aus ging es auf den „Goldenen Pfad“, der etwa zwei Meter breit und mit grobem Stein befestigt ist – griffig, aber auch ordentlich holprig, sodass man mit dem Rollstuhl spürt, wie roh und ursprünglich dieses Gelände ist.
An einer Stelle bin ich von diesem Hauptweg abgebogen, auf einen schmalen Graspfad, der von unterschiedlich dicken Baumwurzeln durchzogen war. Hier würde ich definitiv eine Begleitung empfehlen – nicht nur wegen der unebenen Fläche, sondern auch, weil man als Rollstuhlfahrer allein schnell an seine Grenzen kommt, wenn der Weg wurzelig und unberechenbar wird. Mein Ziel war es, nah genug heranzukommen, um zu sehen, wie weit die Preiselbeeren schon gereift waren. Ein kleiner Insider für alle, die genauso gern naschen wie ich: Vor ein paar Wochen habe ich aus Blaubeeren, die hier ebenfalls wachsen, Sirup, Gelee, Likör und Muffins gemacht – ein Fest für alle Sinne.
Der Goldene Pfad – zehn Stationen zurück zur Natur
Der Goldene Pfad führt über insgesamt zehn Stationen durch die Hochheide und erklärt unterwegs, was diese Landschaft so besonders macht. Ich habe nicht alle Stationen angefahren, denn es war an diesem Tag ziemlich frisch und der Wind blies mir kräftig ins Gesicht. Wer die komplette Strecke plant, sollte also unbedingt an warme Kleidung denken – oben auf der Heide gibt es kaum Schutz vor Wind und Wetter.
Flora und Fauna: ein Fleckchen Wildnis mitten im Sauerland
Die Niedersfelder Hochheide liegt am Nordhang des Clemensbergs bei Winterberg-Niedersfeld, auf rund 800 Metern Höhe, und ist Teil des Naturschutzgebiets „Neuer Hagen“. Sie gilt als eine der größten zusammenhängenden Berg- und Hochheidelandschaften Deutschlands, mit einer Fläche von etwa 74 Hektar – aufgeteilt in ausgedehnte Heideflächen und ein empfindliches Hochmoorgebiet.
Entstanden ist diese offene Landschaft nicht von allein: Jahrhundertelang wurde sie von Rindern beweidet und durch das sogenannte Heidhacken (Plaggenwirtschaft) offengehalten. Erst als diese traditionelle Bewirtschaftung in den 1950er-Jahren aufgegeben wurde, begann sich langsam wieder Wald auszubreiten – zunächst mit Pioniergehölzen wie Birke, Zitterpappel, Weide und Eberesche, später kamen Fichte und Kiefer hinzu. Heute wird die Heide, wo möglich, wieder von robusten Schaf- und Ziegenrassen gepflegt, die als „lebende Rasenmäher“ das Aufkommen von Gehölzen im Zaum halten.
Botanisch ist die Hochheide ein echtes Kleinod: Neben Heidekraut wachsen hier Blaubeeren und die deutlich seltenere Preiselbeere, die in Nordrhein-Westfalen und Hessen inzwischen auf der Roten Liste als gefährdet gilt. Dazu kommen einige arktisch-alpine Pflanzenarten, die man in dieser Höhenlage im Sauerland kaum erwarten würde. Auch die Vogelwelt ist bemerkenswert: Kuckuck, Wiesenpieper, Baumpieper und der auffällige Raubwürger sind hier zu Hause. Auerhuhn, Birkhuhn, Heidelerche und Ziegenmelker galten früher ebenfalls als typische Bewohner der Hochheide, sind inzwischen aber durch die Aufforstung der Umgebung und den zunehmenden Tourismus selten geworden oder ganz verschwunden – ein stiller Hinweis darauf, wie empfindlich dieses Ökosystem eigentlich ist.
Die Hochheidehütte: Pause mit Einschränkungen
Oben auf der Heide liegt die Hochheidehütte, die zum Essen, Trinken und Verschnaufen einlädt. Ein schöner Rastpunkt nach der anstrengenden Fahrt über Stein und Wurzeln – allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Die Toilette ist nicht barrierefrei. Wer als Rollstuhlfahrer einen längeren Ausflug hierher plant, sollte also vorsorgen und sich vorab überlegen, wie er diese Herausforderung meistert. Grundsätzlich gilt für längere Touren in die Hochheide: lieber einmal zu viel geplant als einmal zu wenig.
Barrierefreiheits-Check auf einen Blick
| Kategorie | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|
| Parken | ⭐⭐ | Parkplätze an der Schranke vorhanden, aber kein ausgewiesener Behindertenparkplatz |
| Wege | ⭐⭐ | Geteerte Zufahrt, dann grober Schotter; Graspfad mit Wurzeln nur mit Begleitung empfehlenswert |
| Toilette | ⭐ | Toilette an der Hochheidehütte nicht barrierefrei |
| Sehenswürdigkeiten | ⭐⭐⭐ | Einzigartige Heidelandschaft, Goldener Pfad mit zehn informativen Stationen |
| Gesamteindruck | ⭐⭐ | Landschaftlich beeindruckend, aber mit dem Rollstuhl nur mit gutem Zuggerät und etwas Mut zu bewältigen |
Legende: ⭐ = eingeschränkt | ⭐⭐ = in Ordnung | ⭐⭐⭐ = sehr gut


































