Ein unvergesslicher Tag im Nationalpark Peneda-Gerês
Maria und Fernando wollten uns ein Stück ihrer Heimat zeigen – den wunderschönen Nationalpark Peneda-Gerês im Norden Portugals. Von ihrer Ferienwohnung bis zum kleinen Dorf Soajo sind es nur etwa fünfzehn Kilometer.
Sie fuhren mit ihrem Auto voraus, wir folgten mit meinem Wagen – Rollstuhl im Kofferraum, Getränke griffbereit, die Sonne schon warm auf der Haut.
Am Rande des Nationalparks liegt das traditionelle Dorf Soajo, bekannt für seine „Espigueiros“ – die alten Getreidespeicher aus Granit, die hier stolz auf einem Felsen thronen.
Diese Steinbauten, in Portugal Espigueiros genannt (vom Wort espiga = Ähre), dienten früher der Aufbewahrung von Mais und anderen Feldfrüchten. Sie stehen auf hohen Steinsäulen, um das Korn vor Feuchtigkeit und Tieren zu schützen.
Die kleineren Speicher gehörten einzelnen Familien, die größeren waren gemeinschaftlich genutzt. In Soajo stammen viele dieser Bauwerke aus dem 18. Jahrhundert, und obwohl sie heute nicht mehr als Kornspeicher verwendet werden, sind sie ein Symbol der Geschichte und des Zusammenhalts der Dorfgemeinschaft.
Als wir ankamen, parkten wir am Straßenrand. Ich sah die Speicher schon von unten – oben auf einem Felsen, umgeben von unebenem Kopfsteinpflaster.
Einen Moment lang zögerte ich. Der Weg sah beschwerlich aus, mit Steinen in unterschiedlichen Höhen und Abständen.
Aber dann atmete ich tief durch, mein Begleiter stellte sich hinter den Rollstuhl – und wir wagten es.
Der Untergrund war holprig, manchmal musste ich anhalten. Ganz hinauf kam ich nicht, doch ich hatte einen guten Blick auf die beeindruckenden Bauwerke.
Fernando erklärte uns die Bedeutung dieser Speicher und zeigte auf die kleinen Kreuze, die viele von ihnen zieren – sie sollen Schutz und Segen spenden.
Ich saß dort, eingehüllt in meine rote Decke um die Beine, die mich vor der Sonne schützte. Die Wärme, das Licht, die Stille des Ortes – all das fühlte sich friedlich an.
Auch wenn der Weg nicht ganz rollstuhlgerecht war, war dieser Moment für mich zutiefst bewegend.
Ich dachte daran, wie viele Generationen hier gelebt, gearbeitet und ihre Ernte geteilt haben.
Und ich war dankbar, dass ich – trotz meiner Einschränkungen – diesen Ort mit eigenen Augen sehen durfte.









































