🚂 Hier hätte der Polarexpress halten können

Weihnachtszauber, Lichter und leise Vorfreude in Straßburg

Schon auf der Fahrt nach Straßburg lag sie in der Luft – diese ganz besondere Vorfreude, die man nur in der Adventszeit kennt. Vor zwei Wochen war es so weit: Ich durfte endlich wieder eintauchen in eine Stadt, die Weihnachten nicht einfach feiert, sondern lebt. Straßburg, die selbsternannte Capitale de Noël, empfing mich nicht laut, nicht hektisch – sondern mit einem warmen Leuchten, das schon beim ersten Ankommen das Herz berührte.

Noch bevor ich den eigentlichen Weihnachtsmarkt erreichte, fühlte es sich an, als hätte ich eine unsichtbare Grenze überschritten. Eine Grenze zwischen Alltag und Märchen. Zwischen Jetzt und Damals. Fast so, als würde gleich der Polarexpress um die Ecke rollen und Kinderstimmen durch die Gassen hallen.


🌟 Ankommen zwischen Wasser, Lichtern und Geschichte

Mein Weg führte mich mit dem Rollstuhl durch Richtung Quai Saint-Nicolas, begleitet vom ruhigen Fließen der Ill, die sich sanft durch die Altstadt schlängelte. Das Wasser spiegelte bereits die ersten Lichter wider, und jeder Meter ließ mich tiefer eintauchen in diese besondere Stimmung.

Über eine Brücke hinweg öffnete sich schließlich der Eingang zum Weihnachtsmarkt – zur „Capitale de Noël“. Ab hier begann der Zauber ganz offiziell. Die Übergänge waren angenehm abgeflacht, die Wege gut befahrbar, und ich merkte schnell: Hier war ich nicht „mitgedacht“, sondern willkommen – auch mit Rollstuhl.


🕍 Wenn Kirchen leuchten und Geschichte flüstert

Vor dem Markt fiel mein Blick auf eine große Übersichtstafel, die die Altstadt rund um ihre Kirchen zeigte – ein stiller Hinweis darauf, wie sehr Geschichte und Weihnachten in Straßburg miteinander verwoben sind. Rund um das berühmte Straßburger Münster Notre-Dame, die Église Saint-Thomas und den Temple Neuf erstreckten sich die verschiedenen Marktbereiche.

Diese Kirchen wirkten nicht wie Kulisse, sondern wie stille Hüter der Zeit. Besonders am Abend, wenn Lichtprojektionen die Fassaden berührten und die Glocken leise im Hintergrund zu spüren waren, bekam alles eine fast ehrfürchtige Tiefe.


🧱 Pflastersteine, die Geschichten tragen – und doch machbar waren

Straßburg wäre nicht Straßburg ohne sein Kopfsteinpflaster. Ja, es war oft holprig. Aber immer wieder waren mittig oder seitlich große Steinplatten verlegt, manchmal sogar komplette Wege aus glattem Belag. Mein efix meisterte diese Mischung erstaunlich gut, und ich konnte mich ganz auf das konzentrieren, was mich umgab – statt ständig auf den Boden zu schauen.

Gerade das machte diesen Spaziergang so besonders: Ich konnte die Stadt auf Augenhöhe erleben, ohne Angst, irgendwo hängen zu bleiben.


🏘️ Alte Gassen, alte Seele – und so viel Liebe im Detail

Ich liebe alte Städte. Und Straßburg traf mich mitten ins Herz. Die schmalen Gassen, die reich verzierten Fassaden, die kunstvollen Fensterrahmen und kleinen Balkone aus schwarzem oder dunkelbraunem Metall – alles erzählte Geschichten aus einer anderen Zeit.

Besonders berührt haben mich die alten Metallschilder über den Geschäften. Sie zeigten noch heute, welcher Beruf sich einst hinter dieser Tür verbarg. So viel schöner, so viel ehrlicher als moderne Leuchtreklame. Hier war nichts beliebig.


🎄 Nordpol 2 – Barrierefrei durch ein lebendiges Weihnachtsdorf

Irgendwann hatte ich das Gefühl, nicht mehr in Frankreich zu sein. Es fühlte sich an wie ein skandinavisches Weihnachtsdorf – nur ohne Schnee. Häuser waren bis hoch zum Giebel geschmückt. Über den Gassen schwebten Sterne, Kugeln und Engel. Mal funkelte es golden, mal warmweiß, mal fast verspielt.

Ein Haus hatte tatsächlich alle 24 Adventstürchen gestaltet. Ein anderes war mit großen weißen und goldenen Käfigen dekoriert, in denen Plüschtiere, Figuren und Tannengrün inszeniert waren. Zuckerstangen in dunklem Tannengrün, riesige Weihnachtskugeln, Bärchen, Rehe – überall neue Motive, neue Ideen, neue kleine Wunder.

Kaum ein Schaufenster blieb ungeschmückt. Man spürte förmlich, wie viel Arbeit, Zeit und Herzblut hier investiert worden war. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.


🍷 Kleine Märkte, große Gefühle

Immer wieder öffneten sich kleine Plätze mit eigenen Weihnachtsmärkten. Hier Handwerk, dort ein Kinderkarussell, weiter hinten der Duft von Glühwein, Crêpes, Flammkuchen und elsässischen Bredele. Es war kein lautes Gedränge, sondern ein stetiges Fließen – auch für mich im Rollstuhl gut machbar.

Als es später wurde, zeigte Straßburg sein vielleicht schönstes Gesicht. Die Beleuchtung gewann an Tiefe, spiegelte sich in Fenstern, im Wasser der Ill und in den Augen der Menschen. Es war schlicht ein Traum.


📜 Weihnachten mit Geschichte

Straßburgs Weihnachtsmarkt war kein Trend und keine Erfindung der Neuzeit. Bereits 1570 fand hier einer der ersten Weihnachtsmärkte Europas statt. Über Jahrhunderte wuchs er, veränderte sich und blieb doch immer seiner Seele treu. Heute gilt er als einer der ältesten, größten und schönsten Weihnachtsmärkte Europas – und nach diesem Besuch konnte ich das nur bestätigen.


Praktische Barrierefrei-Infos & Downloads

Was mich besonders überzeugte: Straßburg stellte offizielle barrierefreie Informationen bereit. Es gab Übersichtspläne mit eingezeichneten Behindertenparkplätzen und barrierefreien Toiletten sowie Download-Möglichkeiten für:

  • eine barrierefreie Weihnachtsmarkt-Karte
  • Informationen zu Behindertenparkplätzen in der Altstadt
  • Hinweise zu barrierefreien Wegen und Zugängen

Diese Downloads lassen sich direkt über die offiziellen Straßburger Weihnachtsseiten abrufen und sind eine große Hilfe bei der Planung.


🚗 Und zum Schluss: Parken ohne Stress

Geparkt hatte ich schließlich in der Nähe der Place de l’Hôpital, nahe eines Logis Hotels, auf einem ausgewiesenen Behindertenparkplatz. Von dort aus war der Weg zum Weihnachtsmarkt gut machbar und angenehm – ein ruhiger Start- und Endpunkt für einen intensiven, emotionalen Tag. (int.strasbourg.eu)


Mein Fazit

Straßburg war mehr als ein Reiseziel. Es war ein Gefühl. Ein Eintauchen in eine Welt aus Licht, Geschichte und gelebter Weihnachtsliebe – barrierefrei, respektvoll und unglaublich stimmungsvoll.

Für mich steht fest:
Wenn der Polarexpress wirklich existieren sollte – Straßburg wäre eine seiner wichtigsten Stationen.

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