Nach einer längeren Fahrt durch die atemberaubenden Landschaften Nordportugals erreichten wir das **Santuario de Nossa Senhora da Peneda** – ein wahres Juwel im Nationalpark **Peneda-Gerês**. Eingebettet in eine wilde, zerklüftete Gebirgslandschaft, umgeben von Felsen, Bächen und uralten Wegen, erhebt sich diese Wallfahrtskirche majestätisch über dem Tal. Ein Ort, an dem Geschichte, Glaube und Natur in eindrucksvoller Harmonie miteinander verschmelzen.
🌿 Geschichte & Bedeutung
Die **Schutzheilige**, die hier verehrt wird, blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits im **Mittelalter** soll die **Nossa Senhora das Neves** – Unsere Liebe Frau vom Schnee – an diesem Ort erschienen sein. Zum Gedenken errichteten die Gläubigen zunächst eine kleine Kapelle. Diese bescheidene Kapelle wurde später zum Ursprung des heutigen Heiligtums, das sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer eindrucksvollen Wallfahrtsstätte entwickelte.
Die heutige Kirche entstand im **19. Jahrhundert** und ist das Herzstück einer weitläufigen Anlage. Der Weg hinauf zur Kirche führt über eine monumentale **Freitreppe**, die von **zwanzig kleinen Kapellen** gesäumt wird. In jeder dieser Kapellen sind Szenen aus dem Leben Jesu dargestellt – kunstvoll gestaltet, ein stiller Pilgerweg voller Symbolik und Hingabe.
Als ich mit dem Rollstuhl auf dem großen Platz stand, genau gegenüber der Wallfahrtskirche, fielen mir sofort die Treppen ins Auge, die den Hang hinabführten. Auf beiden Seiten dieser eindrucksvollen Anlage reihen sich **jeweils zwanzig kleine Kapellen** entlang der Stufen, die als *Via Sacra* die verschiedenen Stationen aus dem Leben Jesu zeigen. Diese Mini-Kapellen bilden zusammen einen stillen, erzählenden Pilgerweg, der den Blick von der Kirche ins Tal lenkt und die spirituelle Bedeutung des Ortes unterstreicht.
Am unteren Ende der Treppe, auf einem Podest nahe dem Beginn der Anlage, stehen vier größere Figuren – es handelt sich dabei um Allegorien, die die **Tugenden** darstellen: **Glaube, Hoffnung, Nächstenliebe (Caritas)** und **Ruhm/Verherrlichung**. Diese Statuen stammen aus dem Jahr **1854** und werden dem Bildhauer Francisco Luís Barreiros zugeschrieben. Sie bilden das sogenannte „Escadório das Virtudes“ und geben dem Aufgang eine zusätzliche symbolische Tiefe.
Ich konnte leider nicht weiter nach unten fahren, da die Stufen den Weg versperrten – dennoch war der Anblick der Kapellenreihe und der vier Figuren von der erhöhten Position aus beeindruckend. Die Kombination aus sakraler Kunst, der langen Treppenanlage und der natürlichen Granitkulisse macht die Inszenierung des Wallfahrtsortes so wirkungsvoll: Sie führt den Pilger in mehreren Schritten durch biblische Stationen bis hinunter in das Tal.
✨ Symbolik & spirituelle Bedeutung
Die gesamte Anlage folgt einem klaren **symbolischen und spirituellen Aufbau**, wie er in vielen barocken Wallfahrtsorten Portugals zu finden ist. Die **Treppenanlage** ist nicht nur ein architektonisches Element, sondern stellt zugleich den **Weg des Glaubens** dar – den inneren und äußeren Aufstieg des Pilgers hin zu Gott.
Die **zwanzig kleinen Kapellen**, die sich beidseitig der Treppe aneinanderreihen, erzählen mit einfachen, aber eindrucksvollen Reliefs und Figuren Szenen aus dem **Leben Jesu**. Dieser „Pilgerweg aus Stein“ sollte den Gläubigen dazu einladen, Schritt für Schritt über das irdische Leben nachzudenken, während sie sich dem Heiligtum nähern. Jede Kapelle steht sinnbildlich für eine Etappe auf dem Weg des Glaubens – von der Geburt bis zur Auferstehung Christi.
Am unteren Ende, dort wo die Pilgertradition ihren Anfang nahm, markieren die **vier monumentalen Figuren** den Beginn des geistlichen Aufstiegs. Sie verkörpern die **christlichen Kardinaltugenden**: **Glaube (Fé), Hoffnung (Esperança), Liebe (Caridade)** und **Ruhm oder Ehre (Glória)**. Diese Tugenden bilden gewissermaßen das Fundament des spirituellen Lebens. Erst wer sie verinnerlicht, kann den Weg hinauf zum Heiligtum antreten – ein wunderschönes Sinnbild, das Architektur, Kunst und Theologie miteinander verbindet.
Aus meiner Perspektive oben auf dem Platz konnte ich diese besondere Anordnung gut erkennen, auch wenn die Treppen für mich mit dem Rollstuhl nicht zugänglich waren. Doch selbst aus der Ferne spürte ich, wie harmonisch sich die Anlage in die Landschaft fügt – ein Ort, an dem sich **Glaube, Kunst, Geschichte und Natur** zu einem großen Ganzen vereinen.
Der Tempel wurde im April 2020 durch Dekret des damaligen Bischofs der Diözese Viana do Castelo, Anacleto Oliveira, offiziell zum **Heiligtum** erhoben und im Oktober 2023 als **National Monument** ausgezeichnet.
Das Santuario liegt malerisch am **rechten Ufer des Flusses Peneda**, direkt unter einem imposanten Granitfelsen, dem sogenannten **Penedo da Meadinha**. Diese natürliche Kulisse verleiht dem Ort eine einzigartige, fast mystische Atmosphäre. Wer hier ankommt, spürt sofort, dass er einen besonderen Platz betreten hat – einen Ort des Friedens, der Besinnung und der Geschichte.
♿ Barrierefreiheit & rollstuhlgerechtes Erkunden
Obwohl das Santuario ursprünglich nicht für heutige Mobilitätsanforderungen gebaut wurde, war ich positiv überrascht, wie gut man sich hier **mit dem Rollstuhl bewegen** kann. Direkt **vor dem ehemaligen Pilgerhotel**, das heute Übernachtungsmöglichkeiten bietet, befindet sich ein **Behindertenparkplatz**. Dort konnte ich bequem aussteigen – mein Begleiter half mir mit dem Rollstuhl aus dem Auto. Das Auto war gut sichtbar mit meinem **Merkzeichen im Frontbereich** gekennzeichnet.
Der **große Platz** vor der Kirche und dem Hotel ist mit **altem Kopfsteinpflaster** bedeckt. Zwar ist es leicht uneben, doch die Steine sind flach und ohne große Höhenunterschiede verlegt, sodass ich **relativ problemlos rollen** konnte. Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie historische Bausubstanz erhalten und zugleich zugänglich bleiben kann.
Als ich auf die Toilette musste, sprach ich **Maria** an, die uns freundlich weiterhalf. Im Hotel wurde ich gebeten, einen **anderen Eingang zu nutzen**, der rollstuhlgerecht gestaltet war. Von dort aus gelangte ich **mit dem Aufzug in den ersten Stock**, wo sich eine **Behindertentoilette** befand – sauber, gepflegt und großzügig angelegt. Eine kleine Geste mit großer Wirkung: Hier fühlt man sich willkommen.
🕍 Architektur & Atmosphäre
Die Anlage beeindruckt durch ihre monumentale **Treppe**, die sich wie eine steinerne Prozession den Hang hinaufzieht – leider für Rollstuhlfahrer nicht befahrbar, aber schon der Anblick ist faszinierend. Die **Fassade** der Kirche ist schlicht und zugleich erhaben, die **Kuppel** elegant über den Bergen thronend. Wenn man auf dem Platz steht, umgeben von den Pilgerhäusern und den steinernen Arkaden, fühlt man sich wie in einer anderen Zeit.
🍵 Kleine Pause mit Aussicht
Nach dem Rundgang machten wir Rast im **Café Central**, gleich neben dem Hotel. Über eine schmale, aber stabile **Holzrampe** gelangte ich in das gemütliche Café. Während ich einen heißen Kakao genoss, aßen **Fernando und Maria** eine Kleinigkeit. Meine Begleitung trank Kaffee – und gemeinsam ließen wir den Blick über das Tal schweifen. Dieses einfache, friedliche Erlebnis war der perfekte Abschluss eines besonderen Besuchs.
🎨 Kunsthandwerk & Atmosphäre
Vor der Kirche werden häufig **regionale Handwerksprodukte** angeboten – vor allem **Töpfereien, kleine Holzfiguren und religiöse Andenken**. Es lohnt sich, ein wenig zu stöbern, denn vieles ist handgemacht und spiegelt die Kultur des Minho-Gebirges wider.
🌄 Fazit
Das **Santuario de Nossa Senhora da Peneda** ist ein Ort voller Seele und Geschichte – ein Platz, der zeigt, dass **Barrierefreiheit** auch an historischen Orten möglich ist, wenn Rücksicht und Menschlichkeit Hand in Hand gehen. Trotz der steilen Treppen und einiger unzugänglicher Bereiche konnte ich den Charme, die Ruhe und die spirituelle Kraft dieses Heiligtums voll erleben.
Wer im Norden Portugals unterwegs ist, sollte sich dieses **barrierearme Reiseziel** auf keinen Fall entgehen lassen – eine **versteckte Perle** im Herzen des Nationalparks Peneda-Gerês.Quellen und weiterführende Informationen:
Visit Portugal, Wikipedia, Walking Peneda-Gerês


































































