„Zwischen Kiefern und Ozean erhebt sich Europas größte Wanderdüne – ein goldener Sandriese, der jedes Jahr seine Form verändert und Besucher:innen staunen lässt.“
Von Mimizan aus führte uns unsere Reise weiter nach Arcachon. Während am Atlantik noch blauer Himmel und Sonne herrschten, zogen im Landesinneren immer mehr Wolken auf. Die Landschaft veränderte sich – und plötzlich, wie eine Fata Morgana, tauchte zwischen den Kiefern etwas auf, das eher an eine Wüste oder an Pyramiden erinnerte: gewaltige Sandberge, die sich über den Wald erhoben.
Tatsächlich befand ich mich nicht in Nordafrika, sondern in Frankreich, vor der Dune du Pilat, der größten Wanderdüne Europas. Sie liegt südlich von Arcachon in der Region Nouvelle-Aquitaine, ist rund drei Kilometer lang, bis zu 500 Meter breit und etwa 100 bis 115 Meter hoch. Ständig wird sie vom Wind geformt und wandert Jahr für Jahr ein Stück weiter ins Landesinnere – ein Naturwunder am Atlantik.
Wir fuhren in ein Waldgebiet hinein, dem Beschilderungen zu den Parkplätzen folgten. Meine Begleitung fand schnell eine ausreichend große Parklücke, spezielle Behindertenparkplätze sah ich allerdings nicht. Er holte meinen Rollstuhl aus dem Kofferraum, half mir vom Beifahrersitz hoch und setzte mich hinein. Der Weg zum Besucherzentrum führte zunächst über Waldboden, dann über einen befestigten Pfad.
Am Infozentrum fragte ich nach einer Behindertentoilette. Man bat mich, um das Gebäude herumzufahren, und mein Begleiter kam, um mir den Bereich zu zeigen. Die Toilette befand sich im Gebäude der Frauentoiletten und war sehr klein – mit meinem E-Fix-Rollstuhl ging es gerade so, ein größerer Rollstuhl hätte kaum eine Chance. Rund um das Infozentrum gab es Cafés, Restaurants und Souvenirshops – alles barrierefrei erreichbar, auch eine Behindertentoilette war hier vorhanden.
Von dort aus ging es weiter Richtung Düne. Zunächst war der Weg asphaltiert, später führte er über festgetretenen Waldboden, der stellenweise mit Sand bedeckt war. Und dann lag sie vor mir: ein goldener Sandberg, der zwischen Kiefern und Ozean aufragt, vom Wind geformt, seidig im Sonnenlicht glänzend. Ich konnte mit dem Rollstuhl etwa 50 bis 60 Meter weit in den Wald hinein fahren, doch dann wurde der Untergrund zu schwierig, um näher an die Düne heranzukommen.
Ich blieb neben einer Sitzbank zurück und bat meine Begleitung, die Düne für mich zu besteigen und Fotos zu machen. Von unten sah ich, dass es zwei Möglichkeiten gibt: Entweder direkt durch den Sand hochsteigen oder über eine Holztreppe, die in der Saison aufgebaut ist. Mein Begleiter war tief beeindruckt – von der Weite, dem Blick aufs Meer und der schieren Größe der Düne. Für ihn war es ein faszinierendes Erlebnis.
Auch wenn ich selbst die Spitze nicht erreichen konnte, war schon der Besuch am Fuß der Düne ein besonderes Erlebnis. Der Park kostete sieben Euro Parkgebühr und bietet – zumindest rund ums Besucherzentrum – gute Infrastruktur. Doch wer mit dem Rollstuhl wirklich nah an die Düne heran möchte, sollte sich auf sandige Wege einstellen und eventuell eine Begleitung dabei haben, die Fotos und Eindrücke mit nach unten bringt.
So blieb für mich ein Nachmittag voller Natur, Meeresluft und der Gewissheit, dass Europa Orte hat, die so abenteuerlich aussehen wie eine Wüste – nur eben am Atlantik.
🌿 Hinweis zur Barrierefreiheit (Stand: 2025)
Der Bereich rund um das Besucherzentrum der Dune du Pilat ist offiziell als „Tourisme & Handicap“ zertifiziert und somit für verschiedene Behinderungsarten geeignet (motorisch, geistig, visuell, auditiv). Es gibt ausgewiesene Behindertenparkplätze in der Nähe des Eingangs sowie barrierefreie Sanitäranlagen im Empfangsbereich. Auch Cafés, Souvenirshops und Restaurants sind dort gut zugänglich. Der Weg zum Fuß der Düne ist befestigt, der letzte Abschnitt jedoch sandig und für Rollstühle schwierig bis nicht befahrbar. Wer die Aussicht genießen möchte, kann seine Begleitung bitten, die Treppe zur Düne zu nutzen oder Fotos von oben mitzubringen.
🌿 Mein Wunsch: Mehr Barrierefreiheit an der Dune du Pilat
So eindrucksvoll der Besuch an der Dune du Pilat auch war – für Menschen mit Handicap endet der Weg leider viel zu früh. Schon wenige Meter hinter dem Besucherzentrum wird der Untergrund zu sandig und unwegsam, sodass Rollstuhlfahrer:innen nicht einmal in die Nähe des Dünenfußes gelangen.
Dabei wäre es durchaus möglich, das Naturerlebnis barrierefreier zu gestalten, ohne das empfindliche Ökosystem zu gefährden. Denkbar wären zum Beispiel eine barrierefreie Aussichtsplattform am Fuß der Düne, mobile Matten oder ein Holzsteg als festerer Wegabschnitt oder geländegängige Leih-Rollstühle, wie sie an vielen Stränden schon erfolgreich eingesetzt werden. Auch geführte Touren mit geschulten Begleiter:innen oder eine virtuelle 360°-Ansicht der Düne im Besucherzentrum könnten helfen, allen Gästen ein echtes Erlebnis zu ermöglichen.
So könnten noch mehr Menschen – unabhängig von körperlichen Einschränkungen – die Faszination dieses Naturwunders erleben und die Aussicht genießen.


























































