Reisen trotz Handicap – mein Weg zurück ins Leben

Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Unfall so ausbremsen würde. Im Oktober 2023 brach ich mir in Varna den Oberschenkel. Mit meiner Muskeldystrophie Bethlem war das eine besonders harte Zeit – laufen konnte ich ohnehin nur noch kurze Strecken, doch nach dem Bruch war plötzlich fast nichts mehr möglich. Monatelang lag und saß ich auf der Couch, wartete darauf, dass der Schmerz nachlässt, dass die Knochen heilen. Ich fühlte mich gefangen in meinem Körper.

Aber Reisen ist für mich mehr als nur Urlaub. Reisen bedeutet, am Leben teilzunehmen. Also habe ich im Juli mein Auto gepackt, den Rollstuhl in den Kofferraum gestellt und bin losgefahren – zurück ins Leben.

Portugal – ein Land, das Herzen öffnet

Nach ein paar Tagen an der Atlantikküste Frankreichs erreichte ich Portugal. Und was soll ich sagen: Dieses Land hat mein Herz erobert. Dort begegnete mir die Familie Fernando und Maria – so herzlich, so offen, als würden wir uns schon lange kennen.

Im Supermarkt wurde ich freundlich zur nächsten freien Kasse geleitet. Am Zebrastreifen hielten die Autos sofort. Am Strand und in Restaurants fragten Menschen von sich aus, ob sie helfen können. Nicht aus Mitleid, sondern aus echter Herzlichkeit.

Ein Moment bleibt mir besonders im Herzen: In Lagos am Hafen traf ich einen Straßenkünstler, verkleidet als Charlie Chaplin. Ich legte ihm zwei Euro in den Hut, er aber lief mir nach und sagte: „No, no… I respect you.“ – Ich habe selten so viel Menschlichkeit gespürt.

Ebenfalls begeistert hat mich Renato in Monte Clérigo, einem Strandabschnitt in der Nähe von Aljezur. Er ist Sportler, studierter Sportwissenschaftler, Surflehrer und gleichzeitig Bademeister – und er spricht hervorragend Deutsch. Bei ihm konnten wir uns die WaterWheels, einen speziellen Strandrollstuhl, ausleihen. Dadurch war es mir möglich, direkt ans Wasser zu gelangen. Renato war nicht nur professionell, sondern auch unglaublich freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend. Mehrmals suchte er das Gespräch mit mir und vermittelte das Gefühl, wirklich willkommen zu sein.

Auch kulturell hatte Portugal viel zu bieten. Besonders in Erinnerung bleibt mir der Besuch der Fortaleza de Sagres, der berühmten Festung am südwestlichsten Punkt Europas. Obwohl ich in der Schlange stand, kam der Kassierer sofort zu mir, bat mich nach vorne, organisierte ein Ticket und öffnete ein großes Tor elektrisch, damit meine Begleitung und ich problemlos hinein konnten. Auf meine Frage nach dem Eintrittsgeld lächelte er nur und meinte: „No.“ – kostenloser Eintritt. Eine kleine Geste, aber für mich ein großes Stück Menschlichkeit.

Portugal hat mir gezeigt: Barrierefreiheit bedeutet nicht nur Rampen und Aufzüge. Es bedeutet auch offene Herzen, Respekt und gelebte Inklusion. Dieses Land hat mir das Gefühl gegeben, nicht am Rand zu stehen, sondern mitten im Leben zu sein.

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