🚦 Vorsicht, Stolperstein! Wenn Kopfsteinpflaster zur Herausforderung wird – mein inklusiver Rundgang durch Melsungen
Melsungen – ein Fachwerktraum mit Hindernissen
Melsungen stand schon lange auf meiner Liste der historischen Altstädte, die ich als Rollstuhlfahrerin erleben wollte – mit all ihrem Charme, Fachwerk, Geschichte… und Kopfsteinpflaster. Ich parkte an der Sandstraße, ganz in der Nähe zur Fulda – hier beginnt das historische Herz der Stadt.
💡 Besonders lobenswert: Die Stadt stellt eine barrierefreundliche PDF mit Behindertenparkplätzen zur Verfügung. Endlich mal eine Kommune, die mitdenkt! Ich nutzte einen der ausgewiesenen Stellplätze und rollte los – mit meinem efix-Elektrorollstuhl, allerdings nicht ohne Begleitung. Denn das Kopfsteinpflaster? Uneben, unterschiedlich hoch und mitunter ein echtes Training für Mensch und Maschine.
🌉 Die Bartenwetzerbrücke – Brücke mit Geschichte und Aussicht
Mein erstes Ziel war die imposante Bartenwetzerbrücke aus dem Jahr 1596. Diese massive Steinbrücke überspannt die Fulda majestätisch und bietet einen wundervollen Ausblick auf das grün umsäumte Flussufer und das bunte Fachwerkpanorama der Altstadt. Der Name stammt übrigens von den „Bartenwetzer“, den früheren Waldarbeitern, die hier ihre Äxte (Barten) schärften – faszinierend!
Der Zugang zur Brücke ist zwar relativ flach, jedoch nicht durchgehend barrierefrei – kleine Kanten und Übergänge verlangen Aufmerksamkeit und ggf. Unterstützung.
🏘️ Fachwerkträume mit kleinen Stolpersteinen
Von der Brücke führte mein Weg weiter über die Brückenstraße, vorbei an urigen Plätzen, alten Toren und gemütlichen Cafés. Besonders ins Auge fiel mir das prächtige Rathaus, das zwischen 1562 und 1568 im Stil der Spätrenaissance nach einem Brand neu errichtet wurde – rot gestrichen, stolz und wunderschön restauriert. Für mich als Architektur-Fan ein absolutes Highlight!
Die gesamte Altstadt ist ein wahres Fachwerkmuseum unter freiem Himmel: bunt, charmant, historisch – aber für Menschen mit Handicap nicht ohne Herausforderungen. Das Kopfsteinpflaster ist allgegenwärtig. Selbst mit E-Antrieb blieb ich öfter hängen und war froh, dass meine Begleitung unterstützend eingreifen konnte.
🚻 Gut zu wissen – barrierefreie Toilette mit Euroschlüssel
Wer länger unterwegs ist, freut sich über folgende Info: Hinter dem Rathaus (Am Markt 1) gibt es eine barrierefreie Toilette, die mit dem Euroschlüssel geöffnet werden kann – sauber, großzügig, funktional. Punkt für Melsungen!
🐥 Gänseliesl und kulinarische Altstadtmomente
An der Kasseler Straße trifft man auf die liebevoll gestaltete Figur der „Gänseliesl“, die an das Grimm’sche Märchen erinnert. Ein schönes Fotomotiv – aber Achtung: Der Weg dorthin ist wieder gepflastert und teilweise schräg. Entlang der Straßen laden Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Viele davon haben Außengastronomie auf flachen Zonen, was für Rollstuhlfahrende angenehm ist – aber Innenräume sind nicht immer zugänglich, also vorher unbedingt prüfen.
🧭 Fazit – barrierearm mit Einschränkungen, aber kulturell ein Juwel
Melsungen ist ein romantisches Fachwerkparadies, das mich architektonisch begeistert hat – aber das Thema Inklusion ist noch ausbaufähig. Kopfsteinpflaster, Bordsteine ohne Absenkungen und schwer erreichbare Läden und Lokale zeigen, dass es trotz aller Schönheit noch einiges zu tun gibt. Trotzdem: Mit Vorbereitung, Begleitung und etwas Geduld lässt sich auch als Rollstuhlfahrerin ein schöner Tag in Melsungen verbringen.


















































































