Kopfsteinpflaster, Kies und keine Krone – mein barrierearmer Besuch in Melsungen
Wenn ich durch eine Altstadt wie Melsungen rolle, kribbelt es in mir: Vielleicht ein Schloss, eine Burg, ein Stück Architekturgeschichte, das mich begeistert? Also habe ich natürlich gleich recherchiert – und ja, Melsungen hat tatsächlich ein Schloss im Stil der späten Weserrenaissance. Da musste ich hin!
Schon beim Ankommen am Ende der Kasseler Straße erkennt man: Das Schloss Melsungen liegt zentral, fast unscheinbar eingebettet in den Stadtkern. Und genau das war mein erster Eindruck: unscheinbar.
Ich bin ehrlich – als Fan von prachtvollen Schlossanlagen, Zinnen, Toren, Türmen und verzierten Fassaden war ich ein wenig enttäuscht. Das Schloss sieht gar nicht aus wie ein Schloss, eher wie ein etwas nüchternes Amtsgebäude. Trist, farblos, ohne Blumen, ohne Prunk – für mich persönlich fehlte der Glanz, den ich sonst so an historischen Bauwerken liebe.
Eine kleine Zeitreise – mit Stolperkanten
Das Schloss stammt aus der späten Weserrenaissance und diente früher als Sitz für Verwaltung und Gerichtsbarkeit. Man erkennt noch die klaren Linien und den typischen Stil, aber es fehlt an Atmosphäre – zumindest für mich als Besucher*in mit romantischer Schloss-Fantasie.
Vor dem Schloss: wie so oft – Kopfsteinpflaster, uneben, grob, anstrengend. Für mich als Rollstuhlfahrerin eine Herausforderung. Gehbehinderte oder Rollatornutzer*innen sollten sich auf kleine Hürden einstellen. Ohne Begleitung wäre es für mich nicht möglich gewesen, dort entspannt anzukommen.
Durch ein Tor hindurch gelangt man in den angrenzenden Englischen Garten – ein hübscher kleiner Park mit altem Baumbestand, einem Teich und Überresten der Stadtmauer. Der Weg dorthin führt allerdings über einen Kieselweg, der für Rollstühle schwierig, aber mit Hilfe passierbar ist.
Der Garten: grün, ruhig, aber ausbaufähig
Der Garten selbst hat Potenzial: klein, ruhig, einladend für eine kurze Pause – aber: blühende Pflanzen fehlen, farbliche Akzente sucht man vergeblich. Hier wünsche ich mir einfach mehr Pflege, mehr Farbe, mehr Aufenthaltsqualität – auch für Menschen mit Handicap, die sich nach einem barrierearmen Rückzugsort sehnen.
Mein persönliches Fazit:
Ich wollte ein Schloss entdecken, wurde aber eher an ein Verwaltungsgebäude erinnert. Für Menschen mit Behinderung ist das Schlossumfeld nicht ideal: unebene Pflaster, kein rollstuhlgerechter Zugang zum Inneren (soweit ersichtlich), wenig einladende Sitzmöglichkeiten.
Die Stadt Melsungen hat an vielen Stellen Altstadt-Charme – aber hier fehlt es an inklusiver Gestaltung, an Blüten für die Augen und an kleinen Dingen, die aus einem historischen Ort ein barrierefreies Erlebnis machen.




























