Rollstuhl trifft Weserrenaissance – Mein Abenteuer am Schloss Bad Pyrmont

Rollstuhl trifft Weserrenaissance – Mein Abenteuer am Schloss Bad Pyrmont

Kultur, Kiesel & Kopfsteinpflaster – Inklusion mit kleinen Hindernissen

Wenn man – so wie ich – Schlösser, Burgen, verwinkelte Altstädte und historische Architektur liebt, dann ist das Schloss Bad Pyrmont ein echtes Highlight. Das prachtvolle Gebäude mitten in der Kurstadt hat Geschichte, Charakter – und leider auch einige barrierebedingte Hürden. Aber ich nehme euch mit auf meine ganz persönliche Schlossbesichtigung mit meinem Efix-Rollstuhl.

Geparkt habe ich auf einem gut gelegenen Behindertenparkplatz direkt am Schlossplatz. Von dort rollte ich über die Straße – kein Problem – und über eine Brücke auf das Schloss zu. Und wie es bei historischen Orten leider oft der Fall ist: Das Kopfsteinpflaster begrüßte mich gleich mit ordentlich Rüttelwirkung. Die Pflastersteine sind uneben, hoch, alt – charmant, aber definitiv nicht rollstuhlfreundlich.

Ich bin ganz realistisch: Die Erhaltung historischer Bausubstanz ist wichtig. Ich will keine glatten Asphaltwege in einem Renaissance-Schloss. Aber: Inklusion darf nicht auf der Strecke bleiben. Vielleicht finden sich noch Lösungen, die beides verbinden.

Ein Hauch von Märchen – mit steilen Herausforderungen

Das Schloss selbst wurde im 16. Jahrhundert von den Grafen von Spiegelberg erbaut, auf einer früheren Festungsinsel. Die Bauweise im Stil der Weserrenaissance beeindruckt durch ihre Symmetrie, Details und das wunderschöne Ensemble aus Brücke, Innenhof und geschwungenen Treppen.

Im Innenhof führt ein Weg bergauf zu einer oberen Terrasse. Für alle mit Handicap gilt hier: Bitte nicht alleine hochfahren! Mein Rollstuhl kippte auf dem Rückweg beinahe zur Seite, weil der Weg steil und der Untergrund rutschig war. Ohne meine Begleitung hätte ich diesen Teil nicht sicher bewältigen können. Wer mit Rollator oder zu Fuß unterwegs ist, braucht hier wirklich Trittsicherheit und Hilfe.

Oben angekommen gibt es ein nettes kleines Café – aber leider mit Stufen am Eingang. Ein Lift wäre ein Traum, doch aktuell bleibt dieser Teil für viele von uns unzugänglich. Das ist schade, denn der Ausblick über den Kurpark bis hin zum Palmgarten ist traumhaft.

Wo es klappt – und wo man nachbessern könnte

Im Schloss selbst wurde immerhin ein Fahrstuhl eingebaut – das ist ein klares Plus für Inklusion. Im ersten Stock gibt es ein Museum (Eintritt erforderlich), das ich bequem erreichen konnte. Auch wenn nicht alle Räume ideal gestaltet sind, zeigt sich hier, dass Barrierefreiheit und Denkmalschutz sich nicht ausschließen müssen.

Die öffentlichen Veranstaltungen im Schlosshof (z. B. Konzerte oder Theater im Sommer) sind ein schöner Bonus – allerdings hängt die Zugänglichkeit stark vom Aufbau ab.

Gut zu wissen: Eine Behindertentoilette befindet sich im Nebengebäude – bitte den Euro-Schlüssel mitnehmen!


🧭 Mein Fazit:

Ein wunderschönes Schloss mit viel Historie, architektonischem Charme und eindrucksvollen Perspektiven – aber mit deutlichen Einschränkungen für Menschen mit Handicap. Der Besuch lohnt sich trotzdem, wenn man eine helfende Begleitung dabei hat und weiß, was einen erwartet. Mit etwas mehr Einsatz für Inklusion wäre das Schloss ein echtes Vorbild.





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