Zwischen Prachtbauten, Parkidylle und Potenzial – Mein Rollstuhlcheck durch die Kurstadt
Ich liebe alte Städte. Besonders die, die sich ihren historischen Flair bewahren – nicht nur als Kulisse, sondern als gelebte Kultur. Bad Pyrmont stand bei meiner letzten Tour auf dem Plan. Eine traditionsreiche Kurstadt in Niedersachsen, eingebettet zwischen Parkanlagen, barocken Bauten und einem Hauch von einstigem Glanz. Doch wie sieht es hier aus für uns Menschen mit Handicap?
Mein Blick auf Städte ist immer doppelt: Architektur & Atmosphäre – ja! Aber eben auch: Wie rollt es sich durch die Altstadt? Gibt es Behindertentoiletten? Komme ich alleine zurecht oder brauche ich ständig Hilfe?
Erste Eindrücke: Weiß, weitläufig, barrierearm – aber mit Stolperfallen
Die weißen Fassaden der Kurgebäude, die historischen Villen aus der Weserrenaissance, barocke Einflüsse und prachtvolle Alleen machen sofort Eindruck. Bad Pyrmont hat Stil, ohne aufgesetzt zu wirken. Besonders die Hauptallee, der Kaiserplatz und die Straßen rund um den Kurpark wirken großzügig, gepflegt und zumindest barrierearm.
Ich bin mit dem Rollstuhl unterwegs gewesen – und ja, es ist möglich, sich selbstständig durch die Stadt zu bewegen. Auch wenn – wie so oft – das Kopfsteinpflaster einem das Leben nicht immer leicht macht. Vor allem im historischen Bereich rumpelt und wackelt es ordentlich. Hier wünsche ich mir, dass Städte eine Alternative für Rollstuhlfahrer*innen schaffen, z. B. glatte Randstreifen oder parallel verlaufende, feste Wege.
Historischer Rundgang – Geschichte zum Rollen
Der ausgeschilderte Historische Stadtrundgang ist eine echte Empfehlung. Er verknüpft Geschichte mit Bewegung – und ist erfreulich barrierearm gestaltet. Infotafeln, breite Wege und gute Orientierung ermöglichen es auch mobilitätseingeschränkten Menschen, die Stadt zu entdecken.
Wenn man sich einmal in die Kurtradition ab 1556 hineinfühlt – mit 10.000 Menschen, die damals nach Pyrmont pilgerten, um von der „Wunderquelle“ Heilung zu finden – bekommt man Gänsehaut. Heilung, Hoffnung, Gesundheit – das war schon damals ein zentraler Gedanke dieser Stadt. Umso wichtiger, dass sie heute auch inklusive Wege für moderne Kurgäste anbietet.
Stadtrundfahrt mit Lift – große Pluspunkte für Inklusion!
Ein echtes Highlight war für mich die Möglichkeit, die Stadt barrierefrei per Bus zu erleben. Die Busse haben eine Hebebühne für Rollstühle und Rollatoren – da könnten sich viele andere Städte ein Beispiel dran nehmen. Sightseeing mit Komfort und Würde – so soll es sein!
Toiletten, Parken & Leerstand – wo noch Luft nach oben ist
Es gibt eine Behindertentoilette hinter der Tourist-Info, aber: klein, etwas zu eng und bei meinem Besuch nicht besonders sauber. Außerdem: Die Zahl der Behindertenparkplätze ist verbesserungswürdig – gerade am Europaplatz, wo Bedarf besteht, könnte man mehr Flächen ausweisen.
Etwas wehmütig machte mich, dass viele Läden leerstanden und das städtische Leben nicht so pulsierte wie erwartet. Der einstige Glanz des Kurorts scheint ein wenig zu verblassen – dabei hat diese Stadt so viel Potenzial. Vielleicht könnte genau Inklusion und barrierefreier Tourismus ein neuer Aufschwung sein?
Positivbeispiel: Digitale Hilfe für Menschen mit Behinderung
Großes Lob verdient der digitale „Wegweiser für Menschen mit Behinderungen“, den die Stadt online bereitstellt. Übersichtlich, informativ, hilfreich – so etwas sollte Standard in jeder Stadt sein!
🧭 Mein Fazit:
Bad Pyrmont ist schön, traditionsreich und barrierearm – aber nicht überall barrierefrei. Für Rollstuhlfahrer*innen mit etwas Kraft und einer guten Begleitperson ist die Stadt gut zu erkunden. Die Kombination aus geschichtsträchtiger Architektur, gepflegten Grünanlagen und freundlichem Stadtbild macht den Besuch lohnenswert. Mit ein paar Verbesserungen im Detail könnte Bad Pyrmont zu einem echten Vorreiter in Sachen Inklusion werden.



































